Donnerstag, 15. November 2012

Bedienungsanleitung zur Brotentnahme

Frisch gebackenes Brot - den ganzen Tag! (Foto: TT)
Da einige Kunden wohl Probleme mit der Bedienung eines Brotregals haben, hat Lidl jetzt reagiert und eine leicht verständliche Anleitung bereitgestellt, in der die relevanten Schritte kurz erläutert werden.







1. Nimm eine Brottüte.

2. Öffne die Glastür bei dem Brot oder Kuchen, den du kaufen möchtest.

3. Benutze Zange oder Handschuh, um deine Brote oder Kuchen zu nehmen.

4. Leg deine Brote oder Kuchen in die Brottüte.

Ich muss zugeben, wenn man sich nicht verflixt konzentriert, vergisst man schon mal einen Zwischenschritt, greift gegen das Glas, öffnet eine falsche Tür oder lässt das Brot in der Luft fallen, weil man keine Tüte drunter gehalten hat, etc etc...



Thomas Trilken, Dänemark-
Korrespondent

Freitag, 9. November 2012

Das Auto zum Wochenende, Folge 9: Lada Niva

Bordcomputer? Nein. Tempomat? Fehlanzeige. Airbag? Niemals.
Wer auf jeglichen Komfort oder gar Luxus verzichten kann, der greift seit Jahrzehnten zum Lada Niva. Er ist leicht und kurz und hat 22 Zentimeter Bodenfreiheit. All dies macht ihn zu einem äußerst geländegängigen Burschen. Hinzu kommt sein robuster Vierzylinder-Benzinmotor mit aktuell 83 PS, der die rostanfällige Karosserie oftmals überlebt. Da es praktisch keine Sicherheitsausstattung im Niva gibt, dient der naturgemäß schwache Antritt (0-100 km/h theoretisch in 22 Sekunden, aber praktisch nie erreicht) als serienmäßiger Garant dafür, dass es zumindest nicht wegen überhöhter Geschwindigkeit zu Unfällen kommt. Angebracht scheinen eher 80 km/h, alles darüber ist schon ob des erhöhten Lautstärkepegels kaum erträglich.


Lada Niva, dahinter der Klassiker Lada Samara
(Foto: NS)
 

Wenn man also mit den Ansprüchen an dieses Fahrzeug herangeht, die man an ein modernes Auto stellen würde, schreckt man schockiert zurück und sieht sich schnell woanders um. Man muss es stattdessen als das verstehen und respektieren, was es ist: Ein Oldtimer, dessen Produktionsstopp wohl irgendwie vergessen wurde. Um den Niva zu lieben, sollte man darüber hinaus selten auf öffentlichen Straßen und fast ausschließlich im rauen Gelände unterwegs sein. Bei Förstern ist er deshalb schon lange beliebt. So bietet der deutsche Importeur sogar einen Riffelblech- Hundetrittschutz und einen Gewehrhalter als aufpreispflichtige Extras an. Die starke Heizung zur Gewährleistung der Wintertauglichkeit ist hingegen schon im Preis inbegriffen. A propos Preis: Schon offiziell kostet so ein neuer alter Niva unter 10.000 Euro, mittlerweile gehört dafür immerhin ABS zum Serienumfang. Dieser für einen solch sympathisch-unverwüstlichen Geländewagen utopisch anmutende Tarif sorgt dafür, dass es stets billigen Nachschub aus Russland gibt. Bedeutet: Niva werden bis zum bitteren Ende gefahren und dann durch einen neuen ersetzt. Das ist auch der Grund, warum es heute so gut wie keine Modelle der ersten Stunde mehr gibt. Schon seit einigen Jahren könnten sehr frühe Fahrzeuge aus den 1970er Jahren hierzulande als Oldtimer angemeldet werden. Es gibt sie aber schlicht nicht. Stattdessen tummeln sich auf dem Gebrauchtwagenmarkt hauptsächlich Niva ab den 1990er Jahren.

Denkt man ernsthaft darüber nach, so ist es erstaunlich, dass sich in Mitteleuropa ein Auto 30 Jahre nach seiner Vorstellung optisch wie technisch so gut wie unverändert noch als Neuwagen verkaufen lässt. Als neues Modell war der Niva damals recht modern mit seinen Scheibenbremsen vorn und der Einzelradaufhängung. Davor hatte Lada nie ein eigenes Produkt im Markenportfolio gehabt, sondern ausschließlich veraltete Fiat-Modelle, die man dezent modifiziert auf den russischen Markt warf.

Nagelneu und trotzdem lange veraltet: Lada Kalina
 Kombi (Foto: NS)
 
Besonders der liebenswerte Niva entwickelte sich im Laufe seiner Bauzeit zu einem populären Kultmobil. Er war z.B. auch für die DDR interessant, wenn auch nicht so leicht zu bekommen. Außer dem kleinen Offroad-Kraxler hat es kein Lada-Modell dauerhaft in die Herzen eines größeren Publikums geschafft. Auch nicht der kompakte Samara, das zweitbekannteste Automobil des russischen Herstellers. In Bielefeld gibt es einen der letzten übriggebliebenen Lada-Händler in Westdeutschland. Schlenderte ich nicht ab und an etwas wehmütig daran vorbei, wäre ich niemals auf die Idee gekommen, ausgerechnet über diese Marke zu schreiben. Lada ist in Vergessenheit geraten, nur noch in Osteuropa lässt sich die altbacken anmutende Modellpalette (mit Ausnahme des Niva) noch an den Mann oder die furchtlose Frau bringen. Hierzulande ist die Billig-Konkurrenz aus Südkorea und China, aber im Speziellen auch von der Renault-Tochter Dacia aus Rumänien zu groß geworden. Diese Hersteller locken auch mit kleinen Preisen - im Gegensatz zu Lada aber nicht auf Kosten der Sicherheit.


Wie lange der wiederum konkurrenzlose Niva in seiner zeitlosen Form noch zu haben sein wird, steht in den Sternen. Hoffentlich bleibt er uns noch eine Weile erhalten. Die Fangemeinde ist jedenfalls groß genug: Waidmanns Heil!


Nico Siemering, Bielefeld-Korrespondent

Siehe auch:

Das Auto zum Wochenende, Folge 8: Mini
Das Auto zum Wochenende, Folge 7: Alfa Romeo Montreal
Das Auto zum Wochenende, Folge 6: VW Phaeton
Das Auto zum Wochenende, Folge 5: Citroen DS
Das Auto zum Wochenende, Folge 4: Mazda MX-5
Das Auto zum Wochenende, Folge 3: BMW X6
Das Auto zum Wochenende, Folge 2: Fiat 500
Das Auto zum Wochenende, Folge 1: Bugatti Veyron EB 16.4

Mittwoch, 7. November 2012

Turnvater Jahn sieht irgendwie anders aus als sonst

Der Turnvater schaut gar traurig (Foto: CS).
Friedrich Ludwig "Turnvater" Jahn ist auch 160 Jahre nach seinem Tod eine umstrittene Persönlichkeit. Der Begründer der Turnbewegung und profilierte Nationalist wird von manchen verehrt, von manchen verachtet. Einige schwelgen so gern in seinem Andenken, dass sie die Jahn-Statuen im Land immer wieder neu zum Glänzen bringen wollen. Andere würden die Standbilder am liebsten aus der Erde rupfen, und auch alle Jahnstraßen abschaffen oder doch zumindest umbenennen.

Auf die Gedenksteine wurde gesprüht:
"Turn off: Nationalismus" (Foto: CS).
An einem der Haupt-Wirkungsorte Jahns - es geht um die Berliner Hasenheide - sind beide Seiten erneut aufeinandergeprallt. Auf dem Gelände der Hasenheide, die heute ein beliebter Drogenumschlagplatz ist, hat Jahn Anfang des 19. Jahrhunderts mit jungen Männern Turnübungen veranstaltet und ihnen seine Ansichten zur deutschen Nation präsentiert. Grund genug für die vielen Turnerschaften im In- und Ausland, zwanzig Jahre nach Jahns Tod ein Denkmal für Jahn an eben diesem Orte einzuweihen.

Ende Oktober ist nun folgendes geschehen: Unbekannte haben dem Jahn einen mit Bauschaum oder einer ähnlichen Masse gefüllten Gummi-Ball aufgesetzt. Das klebrige Zeug läuft am Standbild herunter. Und ein trauriger Smiley blickt auf jeden Jahn-Pilger hinab, der sich das Denkmal anschauen will. Einziger Trost für Turner: Solche Bälle werden gern für Turnübungen verwendet. Weitere Informationen zur Aktion hat offenbar auch die Internetseite indymedia.org.

Christian Schepsmeier

Montag, 5. November 2012

Die bunte Welt der Kleinanzeigen, Folge 2: Einladung zum bewaffneten Kampf auf See

"Mitarbeiter" in bewaffneten Teams gesucht (Foto: CS).
In der Kindheit träumen viele davon, als Piraten über die Weltmeere zu segeln, Abenteuer zu erleben, Schweine über dem Lagerfeuer zu grillen, Piratenbräute im Arm zu haben. Im späteren Leben stellt sich dann häufig heraus: Das ist kein Ausbildungsberuf, und fast nie wird in Stellenanzeigen nach Piraten gesucht.

Die hier abgebildete Einladung in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 3. November zeigt allerdings einen Weg, Piraten zumindest zu begegnen. Für die "maritime Gefahrenabwehr (Anti-Piraterie)" sucht die Hamburger Niederlassung der Internationalen Bodyguard- & Sicherheitsagentur sogenannte "Mitarbeiter".

Sie wollen Teil eines "bewaffneten Schutzteams" sein? Sie sind sozial ungebunden und seediensttauglich? Dann nichts wie an Bord! Im ersten Quartal 2013 sind noch Plätze frei. Von Schweinen überm Lagerfeuer und Piratenbräuten ist in der Anzeige allerdings nicht die Rede.

Christian Schepsmeier


Siehe auch:
Die bunte Welt der Kleinanzeigen, Folge 1: Insel zu verkaufen

Freitag, 2. November 2012

Das Auto zum Wochenende, Folge 8: Mini



Mini Cooper. Das klingt nach was, da steckt was dahinter. Für viele ist das der Inbegriff des Kleinwagens. Oder auch die Definition von "Britishness".
Zum ersten Mal seit Beginn dieser Serie stammt das Auto zum Wochenende aus dem autoverrückten Großbritannien.

Steckt noch Mini drin: Das Original (Foto: NS)
Wie fängt man nun an, eine so bahnbrechende Erfindung, einen solchen Meilenstein der Automobilgeschichte zu behandeln?
Nun, gehen wir chronologisch vor und beginnen mit den Anfängen. Die liegen mittlerweile mehr als 50 Jahre zurück. Durch die Suezkrise und die damit einhergehende Benzinknappheit wurde im England der späten 1950er Jahre der Ruf nach einem kleinen, sparsamen Automobil laut. Die British Motor Corporation (BMC) stellte daraufhin im Jahre 1959 den Morris Mini Minor bzw den Austin Se7en vor. Entwickelt worden war das Fahrzeug von Sir Alec Issigonis, einem der größten technischen Genies seiner Zeit. Seine Idee war einfach, aber wegweisend: Um Platz zu sparen, drehte er den Motor um 90° und baute ihn quer statt längs ein, angetrieben wurden beim Mini die Vorderräder. Dadurch baute das Fahrzeug extrem kurz (etwa drei Meter), trotzdem blieb eine Menge Raum für die Insassen. Vier Personen fanden so bequem Platz in einem Auto, dass von außen zwar niedlich, aber nicht eben geräumig aussah. Dieses technische Prinzip machte Schule und wird quasi unverändert noch heute in fast jedem Kleinwagen genutzt.
Seine Kompaktheit brachte dem Mini aber noch mehr Vorteile ein: Durch das geringe Gewicht von nur etwa 700 kg genügte ein 850 ccm kleines Motörchen mit gerade einmal 34 PS für zügiges Vorankommen aus. Hinzu kam, dass jede Fahrt eine Menge Spaß bereitete. Dafür sorgten die direkte Lenkung, das straffe Fahrwerk und nicht zuletzt die winzigen Räder. Diese bauartbedingten Vorteile machte man sich auch im Rennsport zunutze. Insgesamt drei Mal konnten zum Rennwagen hochgezüchtete Mini Cooper S die Rallye Monte Carlo gewinnen!


Der Mini aus Mailand: das italienische Lizenzprodukt
 Innocenti Mini (Foto: NS)
Eine weitere Eigenschaft neben der schon genannten Sparsamkeit, dem Fahrspaß und der perfekten Raumausnutzung war die gebotene Abwechslung im Modellprogramm. Zunächst als Morris und Austin auf den Markt gebracht, hieß er im Laufe der Zeit unter anderem Leyland, Riley, Wolseley und Rover. Neben dem Einstiegs-Mini gab es später auch die stärkeren Modelle Cooper und Cooper S. Auf den kleinen Zweitürer folgten Kombivarianten namens Clubman Estate, Traveller und Countryman (teilweise sogar als "Woody" mit Holzverkleidung), ein Van, das Cabrio, ein Strandbuggy namens Mini Moke und sogar ein Pick-Up! Zudem gab es z.B. für einige Länder Lizenzbauten anderer Hersteller. In Italien war das die Societá Anonima Fratelli Innocenti, die den Mini von 1965 bis 1975 in Mailand fertigte. Die Innocenti-Version galt übrigens zeitlebens als "der bessere Mini", da ihr Innenraum schicker und besser verarbeitet war.

Der Ur-Mini wurde von 1959 bis 2000 in insgesamt sieben kleineren Evolutionsstufen etwa 5,3 Millionen mal verkauft. Die Kunden waren Hippies genauso wie die Reichen und Schönen, die den kleinen Briten als schicken Zweitwagen für den Stadtbetrieb nutzten. Das Schöne an zeitlosen Evergreens wie dem Mini ist, dass man ihn sich im London der 1960er Jahre genauso gut vorstellen kann wie im heutigen Großstadtdschungel. Die geniale Technik sowie die daraus folgende einmalige Form haben den Mini zu einer Stilikone gemacht. Stellt ihn euch doch mal im klassichen British Racing Green (Video: Top Gear - The history of british racing green) mit weißen Streifen auf der Haube und weißem Dach vor. Englischer geht's nimmer, sogar Mr. Bean  fuhr einen (wenn auch in anderer Farbkombination).

Soweit der fröhliche Teil der Mini-Geschichte. Ich versuche, den zweiten, deutlich düsteren Part so kurz wie eben möglich zu fassen.
In Zeiten des Retro-Designs werden gern alte Namen und Formen zitiert. Vor einigen Wochen nannte ich den Fiat 500 als gelungenes Beispiel. Weniger gelungen ist hingegen der VW New Beetle, der zwar heißt und aussieht wie die Ikone Käfer, aber eben deutlich größer, durstiger, unpraktischer und teurer ist als sein Idol. Der neue Beetle hat keinen Charakter, keine echte Stärke und ist dadurch nicht mehr als ein Fashion-Statement.
Steht nur noch Mini drauf: der neue Countryman (Foto: NS)
Doch es geht noch schlimmer. VW hat sich immerhin ein Modell der eigenen Firmengeschichte zum Vorbild genommen. Seit 2001 gibt es freilich auch einen neuen Mini. Doch von einem Hersteller, der absolut nicht das Geringste mit dem alten Mini zu tun hat. Wie kam es dazu?
Nun, BMW hatte 1994 Rover gekauft. Nach gescheiterten Versuchen, die dazugehörigen Marken wie MG, Rover oder auch Land Rover wieder aufzupeppeln und rentabel zu machen, entschloss man sich in München, sich von den Lasten wieder zu trennen. Mit der Ausnahme von Mini. Da zuletzt Rover den Mini baute, lagen die Namensrechte nun bei BMW. Man stellte daraufhin 2001 den New Mini vor, und zwar mit riesigem Medien- und Werbeaufwand. A propos riesig: Nichts, aber auch gar nichts ist bei dieser Neuauflage mini. Weder Preis (schon in der Basis 15.650 Euro, das teuerste Modell Countryman John Cooper Works kostet schon ohne die BMW-typisch immens teuren Extras 34.800 Euro) noch Ausmaße (mindestens 3,64m Länge) rechtfertigen den Modellnamen. Völlig ehrfurchtslos gegenüber dem Original: Den Neuen gibt es auch als fünftürigen Countryman mit Diesel und Allrad. Höchstens noch die sportliche Grundauslegung der zweitürigen Varianten haben entfernt mit dem alten Mini zu tun. Ansonsten hat der New Mini als Premium-Lifestlye-Produkt nichts mit dem alten gemein. Dennoch sieht man ihn an jeder Ecke: Er ist ein wirtschaftlicher Volltreffer für BMW. Ich wünschte, der neue Mini wäre gefloppt. Denn dann gäbe es nur einen Mini, an den man sich noch in Jahrzehnten erinnern wird. Und zwar den, der es verdient hat.


Nico Siemering, Bielefeld-Korrespondent


Siehe auch:

Das Auto zum Wochenende, Folge 7: Alfa Romeo Montreal
Das Auto zum Wochenende, Folge 6: VW Phaeton
Das Auto zum Wochenende, Folge 5: Citroen DS
Das Auto zum Wochenende, Folge 4: Mazda MX-5
Das Auto zum Wochenende, Folge 3: BMW X6
Das Auto zum Wochenende, Folge 2: Fiat 500
Das Auto zum Wochenende, Folge 1: Bugatti Veyron EB 16.4