Montag, 10. September 2012

Die Arbeitswelt, Folge 3: Das "Lieblingskaffee" in Osnabrück

Ware im Einsatz (Foto: CS).
Wer im "Lieblingskaffee" in Osnabrück einen Kaffee trinkt, kann die Tasse anschließend kaufen und mit nach Hause nehmen. Wer im Lieblingskaffee auf einem Stuhl sitzt, kann das Möbelstück anschließend kaufen und mit nach Hause nehmen. Das sind zwei Ausprägungen der Grundidee, mit der das Café vor genau einem Jahr an den Start gegangen ist - dicht an Dom und Theater. Chefin Christina Woltering hatte vorher keine Erfahrungen mit Gaststätten: "Um uns in Osnabrück behaupten zu können, mussten wir eine Nische suchen. So sind wir darauf gekommen, Einrichtungsstücke zu verkaufen."

Kundengespräch (Foto: CS).
Die ersten zwölf Monate hat das Lieblingskaffee überstanden. Inzwischen gehören vier fest angestellte Mitarbeiter zur Crew - dazu kommen zehn Aushilfskräfte. "Zwar waren die Besucherzahlen in den ersten Monaten noch etwas höher, aber wir haben uns jetzt auf einem guten Niveau eingependelt", sagt Woltering. Ihren Quereinstieg in die Gastronomie bereut die 37-jährige nach eigenem Bekunden nicht. Gleich gegenüber betreibt übrigens ihr Mann zusammen mit zwei Kollegen das Outdoor-Geschäft "kopfüber".

Blick von außen (Foto: CS).
Die Besucher kommen in Stoßzeiten zum Frühstück, zur Mittagspause und später zu Kaffee und Kuchen. "Wir ziehen diejenigen an, die etwas besonderes suchen", sagt Woltering. Das Publikum sieht zum Großteil so aus, als habe es genügend Geld auf dem Konto, um jeden Tag auswärts Kaffee trinken zu gehen - und sich anschließend noch ein schickes Accessoire zu leisten. So ein Publikum bewegt sich gern rund um Dom und Altstadt in Osnabrück.

Der Renner: Tassen mit integriertem Löffel (Foto: CS).
Das Konzept geht entsprechend gut auf. Die Tassen, Teller, und sogar Möbel, die das Lieblingscafé im Angebot hat, verkaufen sich ordentlich. "Am besten gehen die Gegenstände, die den Leuten beim Verzehr auffallen", so Christina Woltering - etwa raffinierte Teekannen oder hübsche Tassen. Am 30. September will das Café sein einjähriges Bestehen feiern, mit Sonderaktionen zum verkaufsoffenen Sonntag in Osnabrück.

Von Christian Schepsmeier


Siehe auch:
Die Arbeitswelt, Folge 1: Australische Waren in Osnabrück
Die Arbeitswelt, Folge 2: Lena Wissing, Restauratorin

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Sonntag, 9. September 2012

Das Sonntagsfoto, Folge 5: Einige Köpfe ohne Torso in einem Schaufenster

Präsentiert von "Zweithaar Noris"
unter dem Nürnberger Hauptbahnhof (Foto: CS).

Radeln im Zeichen der Merkursonne

Ablassfahrt? (Foto: DS)
Werbung mit Imagepflege mal anders: Ein Spiel-Höllen-Konzern aus Espelkamp mit Milliardenumsatz tat jetzt unter anderem in Osnabrück Buße - mit einer Radtour für Schlaganfallopfer. Mein Eindruck: Auf diese Weise lässt Gauselmann seine Angestellten sozusagen für den Ablass strampeln, den das Unternehmen für seine eigenen Praktiken erhofft. Man will ja in den Himmel kommen, von dem dann hoffentlich die Merkursonne erstrahlen möge.

Siehe u.a. auch einen ansprechenden youtube-clip.


Von "Der Spieler"


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Samstag, 8. September 2012

Kunst in der Kaserne

Bitte nicht hinschauen (Foto: CS).
Morgen (15.09.) und übermorgen ist in der Winkelhausenkaserne in Osnabrück nochmals die Ausstellung "update" zu sehen. Sie wurde vergangenes Wochenende eröffnet, und war ursprünglich nur auf ein Wochenende angesetzt. Die Künstlergruppe Nartur zeigt Bilder, Skulpturen und Videos. Das eine Gebäude der ehemaligen Kaserne der Briten haben die Künstler über alle sechs Stockwerke mit Kunst gefüllt. Besonderer Wert wird darauf gelegt, dass die Baulichkeit der Baracke selbst zur Geltung kommt.

Auch keine Idee für Bildunterschrift (Foto: CS).
Denn das Gebäude ist das Gegenteil einer sterilen Ausstellungshalle: Stockflecken an und Dübellöcher in den Wänden, wellenförmiges abgeranztes Linoleum, unter dem Dach sogar tote Tauben, diese Eindrücke bestimmen das Bild. Dazu kommt, dass die verwinkelte Architektur der Kaserne überrascht. Es gibt einige seltsame Sackgassen, und oft mag man sich fragen: Was konnte je Sinnvolles mit diesem Raum angefangen werden?

Assoziationsobjekt (Foto: CS).
Auch die Kunstwerke selbst überraschen, mal mehr, mal weniger. Ein Perspektivspiel bleibt in besonderer Erinnerung: In einem der Räume sind unförmige Teile eines Gesichts scheinbar sinnlos verteilt. Nase, Mund und Augen stehen dort ohne Zusammenhang. Das Gesicht - dann wohlproportioniert - kann erst gelesen werden aus dem Nachbarraum, und nur aus einer einzigen Perspektive. So was gab es, es bleibt aber interessant.

Auch die Wände gehören zu einer Ausstellung (Foto: CS).
Unter den Gemälden und Zeichnungen haben mich vor allem die Bilder von Moritz Neuhoff begeistert. Sie sprechen mich direkt an, mit einer koboldhaft-zwielichtigen Darstellung von Wirklichkeit. Samstag und Sonntag ist die Ausstellung "update" jeweils von 11 bis 19 Uhr geöffnet.

Christian Schepsmeier


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Freitag, 7. September 2012

Woodstock im Emsland

Themen-Kleinbus (Foto: CS).
Kleiner Veranstaltungstipp: Am Wochenende ist nicht nur der Blues in Twist. Ausnahmsweise kommen auch der Rock, der Pop und der Folk vorbei - zum "Tribute to Woodstock". Die Veranstalter vom Heimathaus Twist wollen den Geist von Woodstock ins Emsland holen, 43 Jahre nach dem Festival im US-Bundesstaat New York. Die Musik soll alte Zeiten aufleben lassen, es gibt aber auch Unterschiede zum Original-Woodstock: So sei weder mit Matsch noch mit Verpflegungsproblemen zu rechnen, teilen die Organisatoren mit.

Plakate neben dem Eingang zur Herrentoilette.
Von heute bis Sonntag treten zehn Bands auf, die einige der bekanntesten Woodstock-Künstler covern: "Best of Cocker" ist zu sehen, "Kozmic Blue" spielen Janis-Joplin-Songs, und "Are You Experienced" beziehen sich auf Jimi Hendrix. Die Konzerte sind in einem Zirkuszelt direkt neben dem Heimathaus zu hören. Am heutigen Freitag sind die Konzerte bereits ausverkauft. Für morgen und übermorgen gibt es noch Karten.

Christian Schepsmeier

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Bleibt am Wochenende leer: Der Konzertraum im Heimathaus.

Donnerstag, 6. September 2012

Popkultur!, Folge 1: Wir gratulieren Helmut Josef Geier


Heute ist Geburtstag. Ein neuer Thread entsteht mit diesem Beitrag: Popkultur! Außerdem feiert heute Helmut Josef Geier sein fünfzigstes Wiegenfest. Wir gratulieren recht herzlich. Doch bevor wir die beiden beglückwünschen wollen wir uns zwei Fragen widmen. Erstens: Was ist Popkultur? Und mindestens genauso wichtig ist die Frage: Wer ist eigentlich dieser Helmut Josef Geier?

Oftmals frage ich mich, was mich an Großstädten so reizt. Ich vermute es ist ein Strukturmerkmal, was vielen jungen Menschen wichtiger ist als Platz, frische Luft und eine ausgebaute Wohnung im elterlichen Haus: urbane Komplexität. Meiner Meinung nach kann man dies nicht mit Popkultur gleichsetzen, aber doch beschreibt es die Voraussetzung, für die Weiterentwicklung und die Unstetigkeit von Popkultur.

Weiter geht’s. Vermutlich werden selbst viele Leute, die auf die Frage nach ihrem Musikgeschmack mit „Ja so Elektro und so...“ mit einem Stirnrunzeln reagieren, wenn man den Namen Helmut Josef Geier nennt. Helmut Josef Geier hat eine Lizenz als Fußballtrainer, fährt einen alten Ford Mustang und ist Gründer und Inhaber des Musiklabels International Deejay Gigolos. Er scheint also auf jeden Fall etwas mit Musik zu tun zu haben, hmmm. Zu seinen veröffentlichten Alben gehören unter anderem Geteert und Gefedert, Munich Machine oder auch Teufelswerk. Im Titel des zweitgenannten Albums versteckt sich ein weiterer Hinweis: München. Auch wenn er seiner Heimat vor einigen Jahren den Rücken gekehrt hat, um im Techno-Mekka sein durchaus angenehmes Unwesen zu treiben, so veranstaltet er in München regelmäßig in wechselnden Lokationen die sehr beliebte Partyreihe Bavarian Gigolo Nacht. Danke dafür! Er hat Lieder unter anderem mit Galionsfiguren der Popmusik wie P. Diddy, Billy Ray Martin, Grace Jones, den Pet Shop Boys oder auch Gilla produziert sowie zahlreiche Remixe geliefert. Ich möchte jetzt nicht mehr sagen, denn ihr ahnt: die Rede ist von DJ Hell.

Der München Korrespondent mit SusiE und DJ Hell auf der letzten Bavarian Gigolo Nacht im Bob Beaman Club (Photo P. Spreen)

Seine DJ Sets variieren hinsichtlich der gespielten Musikrichtungen von verschiedenen House-Genres bis hin zu Electro und verschiedenen Techno-Spielarten. Als Ankündigung einer seiner Bavarian Gigolo Nächte sagte er: "Wenn ich da bin, geht's los". Meistens spielt er seine Sets ab 2.00 Uhr bis in den Morgen hinein. Lange Vorspiele sind da nicht sein Ding. Die Tanzfläche ist von der ersten bis zur letzten Minute voll und die Tänzer werden en direct mit kräftigen Bässen sowie mit groovigen Melodien oder aber auch monotonen Basslines versorgt, die einen innerhalb der Nacht gerne mal in einen natürlichen Ekstase-Zustand versetzen können.

Die Vinyl-Cover der von DJ Hell veröffentlichten Compilations International DeeJay Gigolos zeigten früher das Muskelrelief von Arnold Schwarzenegger. Erst ein Rechtsstreit zwang das Label dazu, die Platten vom Markt zu nehmen (hier bereits mit überklebten Augen) (Photo P. Spreen)

Was wäre Techno ohne DJ Hell? Was wäre die Hauptstadt des Techno ohne Techno? Was wäre Deutschland ohne seine Hauptstadt? Vielleicht ein bisschen reicher, aber auch um einige coole Clubs, Künstler und Labels ärmer. Popkultur ist wichtig. Popkultur ist immer. Popkultur ist jetzt. Du bist Popkultur. Herzlichen Glückwunsch Popkultur. Herzlichen Glückwunsch Helmut Josef Geier.


Der München Korrespondent Pascal Spreen

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Insekten, Folge 5: Der Asiatische Marienkäfer - Einwanderer mit Biss



Guten Appetit! (Foto: PS)

Mit einem beherzten Biss in den Unterarm meiner Freundin machte es auf sich aufmerksam: Ein kaum fünf Millimeter großes Etwas mit sechs Füßen, zwei Beißscheren und schwarz-orange gescheckten Borsten. Nun krabbelte es flink über den Bierzelttisch, an den wir uns gerade gesetzt hatten und machte sich sogleich daran, die Überreste eines Kuchenstücks zu vertilgen (siehe Foto). Mit welchem Wesen wir es hier zu tun hatten, wussten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht, auf jeden Fall aber schien es sehr hungrig zu sein. 

Was läge in dieser Situation näher, als ein Foto vom unbekannten Insekt zu machen, dessen Herkunft im Internet zu recherchieren und anschließend den Lesern von „Osnabrück, Emsland, die Welt“ darüber zu berichten. 

Kuchengabel als Größenvergleich (Foto: PS)
Hier die Ergebnisse der Recherche:
Bei dem kleinen Sportsfreund handelt es sich um die Larve eines Asiatischen Marienkäfers (Harmonia axyridis). Diese Marienkäferart kommt ursprünglich aus Japan und China und existiert in Europa erst seit ca. 10 Jahren. Anfänglich zur kontrollierten Schädlingsbekämpfung eingeführt, verbreitete sich die Art in den Folgejahren rasant. Das erste freilebende Exemplar wurde 2001 in Belgien gesichtet, nur ein Jahr später gab es in Deutschland die ersten Meldungen über große Schwärme. Mittlerweile kann man davon ausgehen, dass das auch als Harlekin- oder Vielfarbiger Marienkäfer bezeichnete Tier zum dauerhaften Bestandteil der europäischen Insektenwelt geworden ist. Experten befürchten zudem, dass der fernöstliche Vetter des Europäischen Marienkäfers unseren heimischen Siebenpunkt auf Dauer verdrängen wird.

Bald verschwunden? Der Europäische Siebenpunkt
Eine Entwicklung, die man mit Sorge betrachten sollte? Zumindest macht sich der gepunktete Einwanderer durch bestimmte Eigenarten nicht gerade beliebt. In zahlreichen Foren berichten Menschen darüber, von eben jenen Käfern gebissen worden zu sein - ein Verhalten, das scheinbar auch die Larven zeigen und das man von unseren heimischen Glücksbringern so nicht kennt.  Außerdem mehren sich Klagen über invadierende Käferschwärme, die sich an Hauswänden einnisten und im Herbst zu einer Plage für die Bewohner werden. Und @katwal schreibt in einem Käferforum: „Die asiatischen sind die Feinde der unseren, viel aggressiver und töten sie auch!“ 
An ihren Punkten sollt ihr sie erkennen: 19 statt 7
Wenn ihr euch in Zukunft also einen Marienkäfer über die Finger krabbeln lasst, Vorsicht - es könnte ein asiatischer sein! 


Peter Schepsmeier,
Münster-Korrespondent



Siehe auch:
Insekten, Folge 4: Rüsselkäfer im Badezimmer


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