Freitag, 17. August 2012

Insekten, Folge 4: Rüsselkäfer im Badezimmer


Bei einem spätabendlichen Besuch im heimischen Bad, stieß ich neulich auf diesen possierlichen Käfer. Nachdem sich die erste Überraschung über die unerwartete Gesellschaft  gelegt hatte, holte ich schnell die Kamera heraus und machte ein Foto. Schließlich gibt es da ja diesen Blog, auf dem immer wieder unterschiedliche Insekten vorgestellt werden können. Da ich auf dem Gebiet der Entomologie bisher noch recht unerfahren bin, bin ich mir nicht sicher, ob meine Zuordnung nach einer mehr oder weniger aufwendigen Recherche stimmt. Aber ich würde sagen, bei diesem Exemplar handelt es sich um einen Dickmaulrüssler. Wenn ich mich festlegen müsste, würde ich so weit gehen und sagen, es ist der Gefurchte Dickmaulrüssler. Aber ganz sicher bin ich mir nicht. Für andere Meinungen und weitere Hinweise bin ich daher offen. 

Der Gefurchte Dickmaulrüssler gehört zur Familie der Rüsselkäfer, er stammt aus Europa und kommt vor allem in Regionen mit gemäßigtem Klima vor. Er ernährt sich hauptsächlich von Blättern, Knospen und frischen Pflanzentrieben, seine Larven fressen vor allem die Wurzeln verschiedener Pflanzen. Der kleine Rüsselkäfer (er wird nicht größer als 1 cm) gehört bei Kleingärtnern und Landwirten also nicht gerade zu den beliebtesten Käfern.
Außerdem verbreitet er sich durch Jungfernzeugung weiter. Weshalb alle Gefurchten Dickmaulrüssler weiblich sind. Männer kommen in ihrer Welt also überhaupt nicht vor und sind gänzlich überflüssig. Ein Leben, über das der/die ein oder andere vielleicht auch schon mal nachgedacht hat. Die kleine Käferfrau ist aber leider aus meinem Badezimmer genauso schnell wieder verschwunden, wie sie aufgetaucht ist, ohne dass wir uns darüber hätten länger unterhalten können. 

Donnerstag, 16. August 2012

Dreistigkeit in Osnabrücker Fußgängerzone

Witzbolde taten dies (Foto: CS).
Dreist, aber folgerichtig? Diese Symbolisierung des Gemeinplatzes "Was nicht verboten ist, ist erlaubt" findet sich in der Osnabrücker Fußgängerzone. Dem Hausbesitzer, die die Banderole oben im Bild angebracht hat, mag das Denkmodell indes nicht gefallen. Vielleicht sollte er die Hinweisschilder in Zukunft anders gestalten, und nur noch mitteilen, was ausdrücklich erlaubt ist. Erlaubt wäre hier vermutlich: nichts.

Mittwoch, 15. August 2012

Die Arbeitswelt, Folge 2: Lena Wissing, Restauratorin

Vorher - nachher. Das Helle ist bereits restauriert (Foto: CS).
Der Werkzeugkoffer ist voll: Pinsel und Spachtel liegen darin, Hammer und Zollstock, Wattebäusche und Zahnarztbesteck. Mit diesen Utensilien arbeitet die Osnabrückerin Lena Wissing, studierte Restauratorin. Zurzeit steht der Koffer bei den Eltern im Keller, denn dort hat Lena ihre Werkstatt eingerichtet. Der Beutel mit der Watte ist noch offen – in den letzten Stunden hat Lena immer wieder kleine Fetzen davon um ein Holzstäbchen gewickelt, um Schmutz von einem alten Gemälde abzutragen. Daneben liegen ein Zahnarzt-Piekser und eine Pinzette, mit denen sie die Rückseite einer Leinwand bearbeitet hat. Hier unten im Keller wird viel gearbeitet, viel gefriemelt.

Die Lieblingswerkzeuge (Foto: CS).
Vor einem Jahr hat Lena ihr Studium in Konservierung und Restaurierung an der Hochschule für Angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) in Hildesheim abgeschlossen. Seitdem ist sie freiberuflich tätig, wie die meisten ihrer Berufsgenossinnen (nur 3 von 30 Mitstudierenden waren Jungs). Mal arbeitet sie außer Haus, zum Beispiel an den Altären alter Kirchen. Mal bekommt sie Gemälde zur Restaurierung oder zur Pflege in den Keller geliefert. Gerade hat Lena einen Kostenvoranschlag für die Restaurierung eines Gemäldes aus dem 19. Jahrhundert geschrieben. Zu ihrer Arbeit zählt nicht nur das Praktische, sondern auch die Dokumentation der Arbeit, und die Beratung von Kunden.

Friemelarbeit (Foto: CS).

Lenas Fachgebiet ist die Pflege von Gemälden und sogenannten „gefassten Holzobjekten“. Gefasst ist ein Holzobjekt immer dann, wenn es von Farbe oder anderen Überzügen bedeckt ist: Altäre, Holzfiguren, aber auch manche Fachwerkbalken gehören dazu. Um solche Gegenstände zu pflegen und zu restaurieren, bedarf es vieler feiner Pinsel, genau dosierter Lösungsmittel und einer Menge Fingerspitzengefühl. „Für die meisten Leute ist diese Friemelei eine Zwangsarbeit“, sagt Lena, „und man wird auch nicht reich damit. Deswegen muss man die Arbeit mit alten Gegenständen wirklich lieben, also seine Passion zum Beruf machen.“ Außer Lena Wissing haben diese Passion deutschlandweit nur wenige tausend andere Menschen gewählt. Im Verband der Restauratoren sind rund 2.500 Mitglieder registriert, sagt Verbandssprecherin Gudrun von Schoenebeck. 

Lösungsmittel (Foto: CS).
Weltlicher Reichtum mag für Lena in weiter Ferne liegen, aber reicher an interessanten Erfahrungen ist sie bereits geworden. Besonders aufregend für sie und eine Kollegin war kürzlich der Fund einer alten Wandbespannung in einem Haus in Lüneburg. Hinter einer profanen Rigipswand tauchte es auf – ein Textil aus dem frühen 18. Jahrhundert, ein echter Schatz. Zur Aufgabe gehörte für Lena und ihre Kollegin auch, das Objekt zeitlich einzuordnen. Dabei halfen Säulendarstellungen, deren Stil wahrscheinlich erst mit Gian Lorenzo Bernini (1598-1680) in Europa Einzug hielt. Im Beruf des Restaurators berühren sich handwerkliches Können und kunstgeschichtliches Wissen.

Der Umgang mit den alten Gegenständen hat sich über die Zeit gewandelt, erzählt Lena: Während Gemälde und Figuren früher oft mit kräftigen Farben aufgehübscht wurden, will die Restaurierung das Altern eines Gegenstandes heute bewusst einfangen. Das restaurierte Gut soll seine Geschichte nicht verlieren.
 
Ein jedes Ding an seinem Ort (Foto: CS).
Wenn zum Beispiel eine alte Altarbemalung restauriert wird, dann wird nicht einfach neuer Lack aufgezogen. Wo die alte Farbe sich wölbt, da wird sie vielmehr behutsam wieder angeklebt. Der Clou ist dabei der Kleber. Er wird aus der sogenannten Hausenblase gewonnen, das heißt: aus der Schwimmblase eines Störs. Diese Blase wird in warmem Wasser aufgelöst, wodurch eine Art organischer Klebstoff entsteht, Fischleim genannt. Dieser ist deswegen so beliebt, weil er ähnlich viel Eiweiß enthält wie die Bindemittel in alten Farben, die zum Teil aus Eiern gemacht wurden. Der Kleber soll so zum organischen Teil des Ganzen werden.

Den Leim aus der Hausenblase erwärmt Lena mit
 einem Babyflaschenwärmer (rechts im Bild), wenn sie
außer Haus arbeitet (Foto: CS).
In den kommenden Wochen wollen Lena und ihre Kollegin noch einmal nach Lüneburg, um ein weiteres Stück der Wandbespannungen aus dem frühen 18. Jahrhundert in Augenschein zu nehmen. Möchte Lena eigentlich selbst in einer Zeit leben, deren Gegenstände sie mühsam rekonstruiert? „Nein, ich hab ja rote Haare – ich wäre doch sofort als Hexe verbrannt worden!“ Die Restauratorin lebt in der Gegenwart: Nach dem Interview geht sie mit ihrer Schwester schwimmen, im Nettebad im Sonnenhügel.


Christian Schepsmeier

Siehe auch:
Die Arbeitswelt, Folge 1: Australische Waren in Osnabrück 


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Dienstag, 14. August 2012

Biotope, Folge 4: Zwischen See und See


Genau wie in der letzten Folge der Reihe „Biotope“, spielt auch auf dieser Entdeckungstour Wasser eine wichtige Rolle. Doch diesmal geht es um mehr Wasser und um Meerwasser.
Flockenblumen (Foto: TT)

Wir begeben uns auf die Spur des alten Gendarmenpfades, der uns ein kurzes Stück entlang der Ostsee führt, vom südlichen Stadtrand Sønderborgs bis zu einem Waldsee. Es geht durch Wälder und Wiesen, immer einen Katzenwurf entfernt vom Strand.


Pflanzen
In den Wald hinein (Foto: TT)
Zunächst säumen klassische Wildkräuter, Gräser und Wiesenblumen den Rand des Kiesweges. Zur Seeseite wuchern Hecken, vornehmlich aus Kartoffel-Rosen(Rosa rugosa), die mit ihren roten Hagebutten so charakteristisch für den Bewuchs der Küstenlandschaft ist.
Nach einer Weile gelangt man in einen schattigen Buchenwald mit Farnkräutern, der sich wenig später, entlang des Sees, in einen Urwald verwandelt.
Im Dschungel (Foto: TT)
Auf Sandwegen (Foto: TT)
Der schmale Pfad schlängelt sich durch Schilf, von Efeu bewachsene Bäume, totes Holz und allerhand Gewirr aus Büschen und Sträuchern. Auffallend sind die markanten Blätter der Silber-Pappel, deren halbseitig weißen Blätter ein Dach über den idyllischen Ort bilden und dessen Äste und Zweige  sich bis hinunter in die Ostsee erstrecken und dort nach Seegras fischen.

Tiere   
Neben Möwen lassen sich vor allem Enten beobachten, die gleichermaßen auf dem See und auf dem Meer ihre Runden ziehen und nach Nahrung suchen.  Man entdeckt einige Nistkästen an den Bäumen, die für den selten gewordenen Gänsesäger (Mergus merganser) gedacht sind. So darf man hoffen, dass hier die eine oder andere Gans gesägt wird.
Bizarres Tier oder Baum (Foto: TT)
Waldsee (Foto: TT)
Ansonsten sagen sich an diesem Ort Fisch und Frosch gute Nacht und Fluginsekten sind auf der Suche nach Nektar oder Blut, je nach persönlicher Präferenz und Moralvorstellung

Erholungsmöglichkeiten
Ausblick vom Zeltplatz
Am Wegesrand bieten diverse Bänke eine Möglichkeit zur Rast, oft mit einem Ausblick über die Förde. Am See gibt es ein Holzpodest, von dem man auf beide Gewässer eine schöne Sicht hat.

Übernachtungsmöglichkeiten
Wer in diesem bezaubernden Biotop übernachten möchte, der kann dieses ganz legal mit Zelt und Schlafsack auf einem Naturlagerplatz im Wald. Diese einfachen Lagerstätten sind zwar sehr spartanisch, aber dafür kostengünstig bis gratis. Die Ausstattung variiert. In diesem Fall bietet der Platz leider nur Tisch und Sitzbänke, sowie eine Feuerstelle. Dafür bietet er eine hübsche Aussicht.
Gestrandetes Floß (Foto: TT)

Thomas Trilken, Dänemark-
Korrespondent.

Siehe auch:

        

Montag, 13. August 2012

Ungewöhnliche Straßenschilder, Folge 1: Etwas stürzt in einen Graben



Ein Mensch mit Pacmans Kopf (Foto: CS).

Die Welt der Straßenschilder und Verkehrszeichen ist groß, unübersichtlich und voller schrecklicher und schöner Überraschungen. Täglich können einem neue Exemplare über den Weg laufen. Besonderes Vergnügen bereitet dabei eine Tour durch Hasbergen: Wer die Straße "Am Wilkenbach" parallel zu den Bahnschienen nach Osnabrück befährt, begegnet dem links abgebildeten Schild. Es macht Angst und besticht doch durch seine natürliche Schönheit.

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Sonntag, 12. August 2012

Das Sonntagsfoto, Folge 1: Abendlied

Matthias Claudius: Abendlied, 3. Strophe (Foto: CS).
Die neue Reihe "Das Sonntagsfoto" beginnt mit der Abbildung einer Skulptur. Zu finden ist sie am  Pappelgraben, der gestern in der Reihe Biotope vorgestellt wurde. Die Inschrift präsentiert die dritte Strophe von Matthias Claudius´ Abendlied. Der komplette Text findet sich unter anderem beim Projekt Gutenberg.

Samstag, 11. August 2012

Biotope, Folge 3: Der Pappelgraben in der Wüste

Nicht schiffbar (Foto: CS).
Die neue Folge der Reihe "Biotope" führt uns an den Pappelgraben im Osnabrücker Stadtteil Wüste. Dabei handelt es sich um den einzigen nennenswerten Wasserlauf im Stadtteil. Er wurde -  nach Angaben einer Forschungsgruppe der Uni Osnabrück - bereits im 17. Jahrhundert angelegt.
Seither wurde er mehrmals als Entwässerungsgraben ausgebaut. Der Pappelgraben läuft dicht am Pappelsee entlang, ohne ihn aber zu berühren.


Pflanzen
Uferbewuchs am Pappelgraben,
im Hintergrund ist eine Schleuse zu sehen (Foto: CS).
Beiderseits des Pappelgrabens finden sich direkt am Ufer diverse Gräser, Kleesorten, Disteln und  Schafgarbe. Das Ufer ist an vielen Stellen so steil, dass es nicht gut betreten werden kann - das ist offensichtlich gut für die Vegetation, die sich prächtig entwickelt. Gesäumt wird das Ufer zusätzlich von Laubbäumen, unter anderem von Eichen, Kastanien und Buchen. Nur Pappeln sind am Pappelgraben nach jetzigem Kenntnisstand nicht zu finden.


Tiere
Hier leben Fische (Foto: CS).
Im Pappelgraben selbst leben überraschend viele Fische, die jedoch scheu vor jeder Bewegung fliehen, und sich nicht fotografieren lassen. Das Wasser macht an einigen Stellen einen brackigen Eindruck. Es riecht auch entsprechend - Fische und Wasserinsekten scheint das aber nicht abzuschrecken. Die im Wasser verrottenden Blätter der Bäume werden teilweise von Fischen als Sichtschutz genutzt. Säugetiere sind selten zu sehen, Löcher im Boden lassen aber auf Mäuse schließen. Auf den Uferpflanzen tummeln sich zahlreiche Insekten.


Infrastruktur
Ein Ausflug zum Pappelgraben lohnt (Foto: CS).
Das Biotop ist für Radfahrer und Autofahrer gut erschlossen: so wird der Pappelgraben über einen großen Teil seiner Strecke von der parallel verlaufenden Straße "Am Pappelgraben" begleitet - zum Teil laufen sogar zwei Arme der Straße beiderseits des künstlich angelegten Fließgewässers. Nach Westen aus der Stadt heraus führt nur noch ein Kiesweg für Wanderer und Radfahrer am Graben entlang.


Erholungsmöglichkeiten
Sitzgelegenheit (Foto: CS).
Am Pappelgraben gibt es zahlreiche ruhige Plätze - sei es auf einer Bank zwischen dem Graben und dem Pappelsee, oder an einem der weniger steilen Uferbereiche. Über den ganzen Verlauf hinweg prägt den Pappelgraben eine sehr ruhige Atmosphäre. Dies wird dadurch begünstigt, dass die Straße "Am Pappelgraben" verkehrsberuhigt ausgeschildert ist. Der Pappelgraben ist eines der am wenigsten frequentierten Erholungsgebiete in Osnabrück.

Christian Schepsmeier

Siehe auch:
Biotope, Folge 1: Trockenlandschaft an Bahnschienen
Biotope, Folge 2: Balkon, Berlin-Neukölln