 |
| Das Automobil als Sinnbild für Freiheit (Foto: N.S.) |
"Mein allererstes Auto..."- das sind oftmals die einleitenden Worte einer Erzählung, in der es um Erlebnisse oder gar Abenteuer mit dem ersten automobilen Schätzchen geht.
Unabhängig davon, worum es sich bei dem Schmuckstück gehandelt hat - egal also, ob Käfer oder Ente; Fiesta oder Kadett - ausnahmslos jeder kennt sie, diese Geschichten rund um die Führerscheinprüfung, die erste Urlaubsreise oder einfach nur den Versuch, sein Sexualleben nicht auf das heimische Schlafzimmer zu beschränken...
Dabei kommt es überhaupt nicht darauf an, ob es das eigene Gefährt war, auch wenn es die Beziehung zu einem Auto sicher noch intensiviert. Selbst jemand, der keinen Führerschein besitzt, erinnert sich gern an den Campingurlaub im VW Bulli, die glänzenden Augen der Eltern bei ihrem ersten Neuwagenkauf oder an eines dieser besonderen Ereignisse, die sich nur in Taxis zutragen können.
In meiner kleinen Geschichte soll es um mein eigenes erstes Auto gehen, einen 1992er VW Polo Steilheck, Sondermodell "Universal", in pechschwarz und mit dem aufpreispflichtigen Schiebedach. Langweilig war er wohl für die meisten, ein kleines Stück Auto ohne Charakter, unauffällig, solide, langweilig. Doch bei genauerem Hinsehen konnte man ihm seine bewegte Geschichte durchaus anmerken. Rundherum gab es kleine Kratzer und Dellen, der Ölverlust war zum Ende hin enorm, der Beifahrersitz hatte so viele Flecken wie das Gesicht eines 13-Jährigen und das Kassettendeck des Volkswagen Beta- Radios war schon lange nicht mehr funktionstüchtig. Interessiert hat mich das alles nicht. Laut VW- Marketingstrategen war dieses Sondermodell das beste Auto der Welt: “Ob für den Kurztrip ans Meer oder als Einkaufsflitzer – der Polo Universal erlaubt, was gefällt”.
 |
| Eines der letzten Fotos vor der Verschrottung. |
Wenn ich ganz ehrlich bin, so hat es mich immer gestört, dass selbst für ein so leichtes Gefährt 45 Pferdestärken einfach zu wenig waren und dass der Umstieg von einem modernen, komfortablen Mercedes- Fahrschulauto auf einen älteren Kleinwagen ohne Servolenkung und fünften Gang von Beginn an schwerfiel. Aber muss sich ein Auto am Ende an solchen Maßstäben messen lassen? Komfort oder Luxus konnte mir mein Maulwurf nie bieten, ich konnte mit ihm weder Frauen noch männliche Konkurrenten beeindrucken. Er war weder schön, noch schnell oder gar aufregend. Und dennoch: für mich
- genau wie für die VW- Werbeleute
- war er das perfekte Auto! Die Sonne schien mir ins Gesicht und die verschiedensten Gerüche, die der Innenraum über die Jahre angenommen hatte, konnte man mit viel Frischluft und dem einen oder anderen Duftbaum überdecken.
Mein erstes Auto fiel vor einigen Jahren der Abwrackprämie zum Opfer. Es wurde verschrottet, recyclet und lebt nun wohl in anderer Funktion fort. Ich erinnere mich gern an meinen Maulwurf. Ich vermisse ihn.
Nico Siemering, Ostwestfalen-Korrespondent
P.S.: Vielleicht gefällt Ihnen auch unsere
Facebook-Präsenz.