Freitag, 10. August 2012

Was einmal gesagt werden muss


Spaziert man über die Hafenpromenade entlang der Sdr. Havnegade in Sønderborg, so fällt einem ein Gebilde ins Auge, bei dem man sich fragt: Was ist es? Was will es mir sagen?

Meist sind die Antworten auf diese Fragen, falls es denn welche gibt, das Reizvolle an dem jeweiligen Kunstwerk. In diesem speziellen Fall verhält es sich anders:
"Der Butt im Griff" (Foto: TT)


Es handelt sich um „Der Butt im Griff“, eine  2,30m hohe und 450kg schwere Bronzeplastik von Günter Grass. Eingeweiht im Jahr 2004 von Seiner Königlichen Hoheit Kronprinz Frederik von Dänemark.

Die Statue an sich ist gar nicht mal einzigartig. So wird der Fisch etwa vor dem Lübecker Günter-Grass-Haus in die Höhe gehalten, ebenso vor dem Otto-Pankok-Museum in Bad Bentheim und auch vor der Göttinger Paulinerkirche hat man die Flunder im Griff.

Tafel an Plastik aus Bronze (Foto: TT)
Nein, das Besondere an der Sønderborger Ausgabe, im Wert von 950.000 Kronen (ca.127.000€), ist die Inschrift. Denn hier war man sich beim Namen des Künstlers nicht so sicher und hat ihm vorsichtshalber noch ein „h“ geschenkt.
Da der Däne an sich aber nicht dafür bekannt ist, das „h“ in der Suppe zu suchen, hat man die Tafel bis heute nicht geändert.

Thomas Trilken, Dänemark-Korrespondent.

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Donnerstag, 9. August 2012

Das Auto - mehr als nur ein Fortbewegungsmittel


Das Automobil als Sinnbild für Freiheit (Foto: N.S.)
"Mein allererstes Auto..."- das sind oftmals die einleitenden Worte einer Erzählung, in der es um Erlebnisse oder gar Abenteuer mit dem ersten automobilen Schätzchen geht.

Unabhängig davon, worum es sich bei dem Schmuckstück gehandelt hat - egal also, ob Käfer oder Ente; Fiesta oder Kadett - ausnahmslos jeder kennt sie, diese Geschichten rund um die Führerscheinprüfung, die erste Urlaubsreise oder einfach nur den Versuch, sein Sexualleben nicht auf das heimische Schlafzimmer zu beschränken...
Dabei kommt es überhaupt nicht darauf an, ob es das eigene Gefährt war, auch wenn es die Beziehung zu einem Auto sicher noch intensiviert. Selbst jemand, der keinen Führerschein besitzt, erinnert sich gern an den Campingurlaub im VW Bulli, die glänzenden Augen der Eltern bei ihrem ersten Neuwagenkauf oder an eines dieser besonderen Ereignisse, die sich nur in Taxis zutragen können.


In meiner kleinen Geschichte soll es um mein eigenes erstes Auto gehen, einen 1992er VW Polo Steilheck, Sondermodell "Universal", in pechschwarz und mit dem aufpreispflichtigen Schiebedach. Langweilig war er wohl für die meisten, ein kleines Stück Auto ohne Charakter, unauffällig, solide, langweilig. Doch bei genauerem Hinsehen konnte man ihm seine bewegte Geschichte durchaus anmerken. Rundherum gab es kleine Kratzer und Dellen, der Ölverlust war zum Ende hin enorm, der Beifahrersitz hatte so viele Flecken wie das Gesicht eines 13-Jährigen und das Kassettendeck des Volkswagen Beta- Radios war schon lange nicht mehr funktionstüchtig. Interessiert hat mich das alles nicht. Laut VW- Marketingstrategen war dieses Sondermodell das beste Auto der Welt: “Ob für den Kurztrip ans Meer oder als Einkaufsflitzer – der Polo Universal erlaubt, was gefällt”.

Eines der letzten Fotos vor der Verschrottung.
Wenn ich ganz ehrlich bin, so hat es mich immer gestört, dass selbst für ein so leichtes Gefährt 45 Pferdestärken einfach zu wenig waren und dass der Umstieg von einem modernen, komfortablen Mercedes- Fahrschulauto auf einen älteren Kleinwagen ohne Servolenkung und fünften Gang von Beginn an schwerfiel. Aber muss sich ein Auto am Ende an solchen Maßstäben messen lassen? Komfort oder Luxus konnte mir mein Maulwurf nie bieten, ich konnte mit ihm weder Frauen noch männliche Konkurrenten beeindrucken. Er war weder schön, noch schnell oder gar aufregend. Und dennoch: für mich - genau wie für die VW- Werbeleute - war er das perfekte Auto! Die Sonne schien mir ins Gesicht und die verschiedensten Gerüche, die der Innenraum über die Jahre angenommen hatte, konnte man mit viel Frischluft und dem einen oder anderen Duftbaum überdecken.

Mein erstes Auto fiel vor einigen Jahren der Abwrackprämie zum Opfer. Es wurde verschrottet, recyclet und lebt nun wohl in anderer Funktion fort. Ich erinnere mich gern an meinen Maulwurf. Ich vermisse ihn.

Nico Siemering, Ostwestfalen-Korrespondent

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Mittwoch, 8. August 2012

Insekten, Folge 3: Der Gemeine Totengräber

Ein Totengräber in einer Küche (Foto: CS).
Nach dem Bienenwolf und einer noch nicht hinlänglich bestimmten Langfühlerschrecke ist mir ein Insekt begegnet, das ich noch nicht kannte: Ich habe den Gemeinen Totengräber in einer Küche in Osnabrück erwischt, als er zwischen Essensresten herumtollte. Mit seinen hübschen Beißscheren (im Foto deutlich zu erkennen) nahm er Nahrung zu sich. Mit rund zwei Zentimetern Körperlänge ist der hier dargestellte Käfer fast ausgewachsen. Totengräber gehören zur Familie der Aaskäfer.


Der Käfer wurde ausgesetzt. Er lebt jetzt wieder in freier Wildbahn. Im Video (unten) ist er in Aktion zu beobachten.

Siehe auch:
Insekten, Folge 1: Bienenwolf in der Wüste
Insekten, Folge 2: Langfühlerschrecke auf stillgelegtem Flugfeld


Dienstag, 7. August 2012

Biotope, Folge 2: Balkon, Berlin-Neukölln



Sonnenschein im Biotop  (Foto: A.S.)
Mein erster Gastbeitrag ist zugleich auch ein Beitrag zur unverzichtbaren Serie „Biotope dieser Welt“. Anders als in der ersten Folge sind im heutigen Biotop allerdings nicht nur die Spuren von Menschen zu entdecken, sondern es handelt sich vielmehr um ein von Menschen (unter anderem auch von mir) geschaffenes Biotop: ein Balkon im Berliner Stadtteil Neukölln. 
 
 
Ein Ort der Entspannung (Foto: A.S.)
Dieses kleine Biotop inmitten der pulsierenden Großstadt ist ein Ort der Ruhe und Entspannung. Man kann die Sonne genießen, den Vögeln beim Nestbau zusehen, in der Ferne Knallkörper explodieren hören, ein Glas Wein trinken, die ein oder andere Zigarette rauchen und dabei auch noch seinen Nachbarn näher kommen. So lernt man schnell, dass in der direkten Umgebung jemand immer (wirklich IMMER!) Würfel spielt und in einer anderen Wohnung stets der Fernseher läuft, während dabei gerne lautstark telefoniert wird. Dennoch kann man hier seinen Gedanken nachhängen oder eben, indem man einfach mal die Hände in der Erde vergräbt oder durch die Blätter und Blüten streicht, auf ganz andere Gedanken kommen.
Die Tomatenzucht (Foto: A.S.)

Denn auch Flora und ein bißchen Fauna gibt es in diesem kleinen Neuköllner Biotop: Salbei, Rosmarin und Zitronenmelisse verströmen einen angenehmen Duft. Während der Anblick der Blumen einem vor allem Freude bereitet. Der ganze Stolz des Balkons (und auch meiner) ist aber die Tomatenzucht. Aus eigenem Anbau wurden bereits vier Tomaten geerntet und verzehrt. Und was soll ich sagen, geschmacklich waren sie einfach nicht zu übertreffen. Weitere Ernten stehen noch aus. Die völlige Autarkie als Ziel vor Augen bleibt allerdings noch viel zu tun. 
Schwarze Blattläuse auf Verbene (Foto: A.S.)

Nur die Tierwelt kommt leider etwas zu kurz. Zwar können aus der Ferne auch katzenartige Tiere beobachtet werden und es wurde auch schon mal ein Turmfalke gesichtet, der gerade eine Maus riss. Auf dem Balkon selbst gibt es jedoch nur kleines Getier: ein paar Ameisen, einige Spinnen und der Feind eines jeden Kleingärtners, die schwarze Blattlaus. 

Anne, Berlin-Korrespondentin

siehe auch: Biotope, Folge 1: Trockenlandschaft an Bahnschienen

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Montag, 6. August 2012

Die Arbeitswelt, Folge 1: Australische Waren in Osnabrück

Zwei Kängurus boxen (Foto: CS).
Die erste Folge der neuen Serie "Die Arbeitswelt" blickt in das Geschäft "Paddy Coober" in Osnabrück. Der kleine Laden hat sich auf verschiedene Waren von der anderen Seite der Welt konzentriert - zum Beispiel gibt es Honig aus Tasmanien, Schuhe aus Australien und Strickjacken aus Neuseeland. Und natürlich sind auch Didgeridoos zu haben. "Paddy Coober" besteht schon fünf Jahre, obwohl die Lage des Ladens nicht gerade Laufkundschaft anlockt. Ich habe mit Astrid Bracksieker gesprochen. Sie führt das Geschäft zusammen mit ihrem Mann.


Astrid Bracksieker zwischen australischen Hüten (Foto: CS).
Frau Bracksieker, Sie verkaufen hauptsächlich australische und neuseeländische Waren. Warum?


Weil Australien mir von frühester Kindheit an vertraut war. Australien war immer eine Leidenschaft, und das hat sich einfach ausgedrückt in diesem Laden hier.

Was genau haben Sie denn im Angebot?

Schuhe, Taschen, Bekleidung, Souvenirartikel, und unverzichtbar: der Hefeextrakt Vegemite und die Schokoladenkekse Tim Tams.

Kann man kaufen (Foto: CS).
Rein topographisch könnte man meinen: Besonders wetterfeste Stiefel und wasserfeste Kleidung – das braucht man in Australien und Neuseeland in unwirtlichem Terrain, aber nicht unbedingt in Deutschland.

Auch in Deutschland gibt es unterschiedliches Wetter. In Australien ist es heiß – hier im Sommer auch. In Australien gibt es Regen – den gibt es hier auch. Wir haben Kleidung, die eigentlich für jede Gelegenheit geeignet ist: robust, kernig und abseits der Modeströmungen.

Haben Sie den Laden vor allem gegründet, um anders zu sein?

Auf jeden Fall.

Wer sind Ihre Kunden? Exil-Australier oder australophile Deutsche?

Von neuseeländischen Bienen (Foto: CS).
Es gibt viele Menschen die aus dem Umkreis Osnabrücks und sogar aus Holland kommen. Wir haben aber auch australische und neuseeländische Kunden, die immer ihre Dosis Vegemite oder ihre Tim Tams holen. Einige unserer Kunden waren auch bereits als Reisende in Australien, kommen deshalb. Viele haben auch gute Erfahrungen mit der Qualität der Produkte gemacht. Die wissen: Australische Hüte schützen vor Sonne und Regen.

Samstag, 4. August 2012

Insekten, Folge 2: Langfühlerschrecke auf stillgelegtem Flugfeld

Es kann sicher gut springen (Foto: CS).
Nach dem Bienenwolf bin ich heute einem weiteren interessanten Insekt begegnet. Es saß auf der Straße, die rund um das stillgelegte Tempelhofer Flugfeld in Berlin führt. Erste Recherchen legen nahe dass eine Unterart der Langfühlerschrecken zu sehen ist. Rein äußerlich erinnert es an die Gemeine Strauchschrecke, allerdings stimmt der Farbton meines Erachtens nicht ganz. Ich bin dankbar für jeden Hinweis, um welche Art genau es sich handelt. In jedem Fall muss es ein Weibchen sein - das ist an dem Dorn am Hinterleib zu erkennen, der zur Eiablage dient. Fachleute nennen diesen Dorn Ovipositor.

Siehe auch:
Insekten, Folge 1: Bienenwolf in der Wüste

Revolution in der Abfallwirtschaft

Dieses Pappschild soll Müllsündern Beine machen (Foto: CS).
Im Landkreis Osnabrück steht übermorgen eine fundamentale Neuerung in der Abfallwirtschaft ins Haus. Sie betrifft diejenigen Mitbürger, die ihren gelben Sack oder ihre gelbe Tonne falsch befüllen - zum Beispiel mit Glas, Papier oder toten Schlangen (alles schon vorgekommen, sagte mir ein Müllfahrer).

Bislang reagierten die Müllfahrer folgendermaßen auf falsch befüllte Tonnen: Sie fuhren weiter, ohne die Tonne zu leeren bzw. den Sack mitzunehmen. Nun werden andere Saiten aufgezogen: Ab Montag, 6. August, werden sie ein blaues Pappschild an die Tonne heften, und erst dann weiterfahren. 

Auf dem Schild wird der jeweilige Fehler angekreuzt - falsch befüllt, zu stark gepresst, oder die Tonne war nicht zugänglich. Der Abfuhrdienst Regos aus Georgsmarienhütte will damit eine deutlich verbesserte Quote richtig befüllter Tonnen erreichen. Es ist möglich, dass dies erreicht wird.