Freitag, 5. Oktober 2012

Das Auto zum Wochenende, Folge 4: Mazda MX-5

Spaß UND Vernunft passen meist nicht zueinander, oft schließt der eine die andere aus. Und doch gibt es ab und an die Gelegenheit, beide miteinander zu verbinden - zum Beispiel mit dem Auto zum ersten Oktoberwochenende 2012, dem Mazda MX-5.

Im Moment schlafen die Klappscheinwerfer. (Foto: NS)
Als der MX-5 1990 in Europa startete (in den USA bereits 1989 als "Miata"), war die Autoform "Roadster" so gut wie tot. Als Roadster bezeichnet man kleine, flinke Cabrios, meist reine Zweisitzer, die ausschließlich eines bieten sollen: Fahrspaß. Erfunden und salonfähig gemacht wurde diese Bauart in England. Roadster wie der Austin-Healey, Triumph TR 3, MGB und Jaguar XK 120 belebten zwar die 1950er und -60er Jahre, Anfang der 90er war davon aber nichts mehr übrig. Der einzige echte Roadster war zu der Zeit ein Spider - von Alfa Romeo. Der war aber schon so lange auf dem Markt, dass er letztlich veraltet war. Man sehnte sich also nach einem modernen Roadster, einem kleinen, leichten und günstigen offenen Sportwagen. Auch in den USA, für die die erste MX-5-Generation ursprünglich konzipiert war.


Roadster für alle: der erste Mazda MX-5 (Foto: NS)

Dass nun ausgerechnet die vernünftigen Japaner, die bis dahin (mit Ausnahmen wie dem Honda CRX oder dem Toyota MR2) eher mit braven, konservativen Limousinen in Amerika und Europa punkten konnten, diese Lücke schließen würden, war so nicht zu erwarten. Auch nicht der Einfluss, den die erste MX-5-Generation auch aktuell auf die Automobilindustrie hat. Mercedes SLK, BMW Z4, Audi TT Roadster, Porsche Boxster - all diese Modelle würde es ohne den MX-5 heute in der Form ganz sicher nicht geben. Es sei denn, ein anderer Hersteller wäre auf den Trichter gekommen, solch ein Auto zu bauen. Das hätte aber wohl noch einige Jahre gedauert, zumal selbst eine Weltmarke wie Mercedes bis 1996 brauchte, um ein ähnliches Vehikel auf den Markt zu bringen und somit etwas von dem großen Kuchen abzubekommen. Der SLK überholte denn auch gleich den Mazda und wurde erfolgreichster Roadster - allerdings war er deutlich teurer und machte längst nicht so viel Spaß wie das japanische Original.

So blieb der MX-5 über die Jahre und mittlerweile Jahrzehnte konkurrenzlos. Die Deutschen waren zu teuer und zu weich, die Italiener (Fiat Barchetta) und Briten (MGF, Lotus Elise) zu exotisch und unzuverlässig, darüber hinaus waren sie alle nur Kopien des Wagens, der Cabriofahren in Europa wieder salonfähig machte. Was sagte man damals bitte aus, wenn man ein Escort oder Kadett Cabrio fuhr? Der Mazda brauchte im Übrigen nie besonders viel Leistung, um seinen Fahrern ein Grinsen ins Gesicht zu zaubern: Selbst in der aktuellen dritten Generation reichen die 160 PS im Topmodell völlig aus. Besonders beeindruckend ist die Beständigkeit, mit der Mazda es geschafft hat, den MX- 5 über die Jahre frisch zu halten und trotzdem noch Anleihen beim ersten Modell nicht zu verleugnen und die ursprüngliche Form beizubehalten. Manche britische Autofans regen sich weiterhin über den japanischen Roadster auf, die Idee sei geklaut und es dürfe nicht sein, dass die Asiaten sich mit ihren Federn schmückten. Dabei hat Mazda fast genauso viel geleistet: eine ausgestorbene automobile Gattung neu belebt und Nachahmer hervorgebracht, die dafür sorgen werden, dass auch in Zukunft für eine bunte Artenvielfalt gesorgt ist.

Nico Siemering, Bielefeld-Korrespondent


Siehe auch:
Das Auto zum Wochenende, Folge 3: BMW X6
Das Auto zum Wochenende, Folge 2: Fiat 500
Das Auto zum Wochenende; Folge 1: Bugatti Veyron EB 16.4

Mittwoch, 3. Oktober 2012

Die bunte Welt der Kleinanzeigen, Folge 1: Insel zu verkaufen

Käufer bitte hier melden (Foto: CS)
Wenn man versucht, seinen alten Krempel loszuwerden (z.B. Babystühle, Rasenmäher oder Inseln), dann wäre eine Zeitungsannonce eine gute Möglichkeit, diesem Ziel näher zu kommen.

Und wenn man wiederum für sich und seinen kniehohen Hund einen ruhigen Ort sucht, an dem man nicht so schnell gefunden wird, oder an dem man seine Gänse marschieren lassen kann, oder  falls man mal fix das "Drei Gegenstände"-Gedankenspiel durchtesten möchte, ja dann bietet die Neue Zürcher Zeitung ein passendes Geschäft:

Eine einsame Insel in Schottland.

Mit 172 ha ist sie in etwa so groß wie Helgoland. Bietet Behausungen gleich für mehrere Bewohner, (bzw. für eine einzelne multiple Persönlichkeit), eine Kapelle (z.B. für multiple Persönlichkeite mit imaginären Freunden, oder um den Rasenmäher unterzubringen) und schließlich eine Pier

Wer beim Kauf von schottischen Inseln allerdings zu Geiz neigt, der sollte unbedingt die Angebote vergleichen. Denn schottische Inseln bekommt man ja mittlerweile überall hinterhergeworfen:
Eilean Righ (Königsklasse)
Eilean an Seamraig (günstiges Einsteigermodell)
Ailsa Craig (formschönes Design)


Thomas Trilken, Dänemark-
Korrespondent

Dienstag, 2. Oktober 2012

Kniehoher Hund gesucht

Ein Schlawiner (Foto: CS).
Wer in diesen Tagen in Berlin-Neukölln einem freilaufenden Hund begegnet, der braucht nicht in jedem Fall Angst zu haben. Vielmehr ist es ratsam, den Hund zunächst zu vermessen. Entwarnung können Fußgänger sich selbst geben, falls der Hund bis zum Knie reicht, und so ähnlich aussieht wie das schwarze Tier auf dem Foto. Dann ist er nämlich (das steht im Kleingedruckten neben der Telefonnummer) ein ganz Lieber. Bleibt freilich zu hoffen, dass die Knie-Höhe des Finders derjenigen des Herrchens oder Frauchens ähnelt.

Christian Schepsmeier

Montag, 1. Oktober 2012

Gänsemarsch in der Martinistraße

Assoziationsobjekt (Foto: Der Spieler).
Das Wort "Gänsemarsch" steht plötzlich im Hinterhof des Sonnenstudios "World of Sun" hinter dem Netto-Markt in der Osnabrücker Martinistraße. Es hängt in anderthalb Metern Höhe an einer Wohnhausrückwand, einen Meter entfernt von der Einfahrt, auf einem Schild.

Mangels anderer Erklärung fange ich an zu assoziieren:

Ist das ein barscher Befehl? "Gänsemarsch! Sonst gibts Probleme!"

Handelt es sich um eine Warnung: "Warnung vor den Gänsen" statt "Warnung vor dem Hund"?

Ziemlich frech und diskriminierend wäre die Auffassung, dass hier auf die vielen Kundinnen (abwertend: "Gänse") hingewiesen wird, die den Netto und das Sonnenstudio besuchen.

Letzten Endes fühlt sich keine der Deutungen so an, als träfe ich den Nagel auf den Kopf.
Warum verstehe ich das Wort dort bloß nicht....... ?

Die Welt ist ein Rätsel.

Der Spieler

Samstag, 29. September 2012

Haupteingang Universität (Bielefeld)

Themenfoto (CS).
Das Bild links wäre ein passendes Themenfoto für jeden Text, der sich mit dem Zusammenhang zwischen empfangener Bildung und Stellung in der Gesellschaft beschäftigt.

Wer die Universität besucht, tritt schließlich durch den Haupteingang in die Gesellschaft, und hat es leichter, zu ihren Schalthebeln zu finden - "Haupteingang Universität" eben. Messbar ist das vor allem im Lohnniveau.

Möglicherweise wäre "Haupteingang Elternhaus" noch treffender, aber das ist wohl selten als Hinweisschild zu finden. Die Kamera blickte zu der Zeit, als das Foto entstanden ist, von einem Parkhaus auf die Uni Bielefeld.

Christian Schepsmeier 

Freitag, 28. September 2012

Das Auto zum Wochenende, Folge 3: BMW X6


Es gibt Autos in allen Größen, allen Farben und für alle Geschmäcker: Vans für Familien, Kleinwagen für die City, Geländewagen fürs Grobe, Sportwagen für den Spaß, Cabrios für den Sommer, Kombis für den großen Einkauf, Luxuslimousinen für wohlhabende Menschen, die sich darin chauffieren lassen. Seit einiger Zeit aber verspüren die großen Automobilhersteller anscheinend das Bedürfnis, jede noch so kleine Nische mit neuen Modellen zu füllen, deren Sinn nicht auf den ersten Blick deutlich wird.
Pottwal auf vier Rädern (Foto: NS)
Ein bezeichnendes Beispiel für diesen Trend ist der BMW X6.  Er basiert auf dem riesigen SUV (Sport Utility Vehicle) X5, bietet aber weniger Raum und Platz und kostet einige Tausend Euro mehr. Die Begründung dafür ist laut BMW das coupéhafte Dach, das dem Wagen ein sportlicheres Profil geben soll und ihn so zum selbsternannten Sport Activity Vehicle (SAV) macht. Der große Nachteil: Durch die nach hinten hin stark abfallende Dachlinie bleibt den Insassen auf den Rücksitzen deutlich weniger Kopffreiheit. Große Menschen müssen sich in diesem Auto also den Rücken krumm machen. Hinzu kommt die schlechte Übersichtlichkeit durch die schmale Heckscheibe. Das macht den X6 wesentlich unpraktischer als, sagen wir, seinen Bruder X5. Und selbst dessen Daseinsberechtigung mag sich einigen Leuten nicht erschließen. In schweres Gelände kann man mit solchen Fahrzeugen nämlich keinesfalls vordringen - auch wenn sie so aussehen. Zwar haben diese Autos viel Bodenfreiheit und natürlich auch ein Allradsystem an Bord. Ehrliche und echte Geländetechnik gibt es aber nur bei der Mercedes G-Klasse und bei Land Rover sowie einigen Amerikanern. Wenn es aber einzig und allein um die Größe geht, könnte man in einem großen Kombi genauso viele Personen und ebenso viel Gepäck verstauen. So langsam gehen einem dann die Argumente für solche Autos aus. Sie sind schwerer (je nach Motorisierung bis zu 2,5 Tonnen Leergewicht), verbrauchen unverhältnismäßig viel und sind allein ob ihrer schieren Masse ein potenzielles Sicherheitsrisiko für alle anderen Verkehrsteilnehmer.


Soll ein Sportwagen sein: BMW X6 (Foto: NS)

Vielleicht geht es aber einigen Käufern auch um die hohe Sitzposition. Viele ältere Fahrer fühlen sich damit sicherer und schätzen die gute Übersichtlichkeit. Warum aber sieht man dann fast ausschließlich verhältnismäßig junge X6- Fahrer (viele davon weiblich) in deutschen Großstädten umherfahren, wo sie natürlich keinen Parkplatz finden, weil ihr Fahrzeug von den Maßen her nicht mehr viel mit einem modernen Automobil zu tun hat? Der X6 ist zwar das am wenigsten verkaufte BMW-Modell, trotzdem können sich die Verkaufszahlen sehen lassen, und das, obwohl die meisten Kunden sicher mehr als 80.000 Euro, einige sogar mehr als 140.000 Euro (für das Topmodell mit einigen Extras) gezahlt haben.
Da stellt sich mir und hoffentlich auch noch anderen doch die Frage: Wer macht so etwas? Angeber, die meinen, sich und anderen etwas beweisen zu müssen? Vielleicht aber auch Menschen, die so viel Geld zur Verfügung haben, dass sie damit einfach nicht mehr verantwortungsvoll umgehen können? Und nicht entscheiden können, welche Investition lohnenswert ist und welche einfach nur Überfluss? Leute, die uns durch ihren fahrlässigen Umgang mit Werten in die Wirtschaftskrise bugsiert haben? Jede weitere Äußerung würde zu weit führen, deshalb breche ich an dieser Stelle ab. Für’s nächste Mal vielleicht doch besser wieder ein cooles, sympathisches Auto zum Wochenende…

Nico Siemering, Bielefeld-Korrespondent


Siehe auch:
Das Auto zum Wochenende, Folge 2: Fiat 500
Das Auto zum Wochenende, Folge 1: Bugatti Veyron EB 16.4