Samstag, 15. September 2012

INTER-BOOB oder hab ich mich verlesen?

Plakatwerbung (Foto: Der Spieler).
Was wird hier wohl umworben? Bikini-Mode? Sonnenkrem? Frauenkörper? Urlaub? Bei näherem hinsehen liest man INTERBOOB, die Messe für das Dekolletee.

Ach nein, tschuldigung! Ist doch glasklar, dass das ein Bootssteg ist, folglich die junge Dame nur darauf wartet, dass du ihr dein Boot anbietest, das aber noch gar nicht da ist, deswegen sollst du ja auch schnell zur INTERBOOT. Wurde tatsächlich bei der Bildauswahl übersehen, dass es um die Messe geht? Hatte der Bildauswähler nur das eine im Kopf?


Also bei Autowerbung, insbesondere Automessen, ist mans ja gewohnt, dass die Frau die Hälfte des Bildes einnehmen kann. Aber wie wenig halten die Werbemacher von Booten, dass sie sie ganz verschwinden lassen? Was sieht man dann auf der Messe, auch nur Dekolletees?

[P.S.: Während des Knipsens am Hauptbahnhof Osnabrück lachten drei 12-jährige. Auf Ansprache gaben Sie zu, sie hätten mich für eine Art Spanner gehalten. Meine Erklärung, dass ich das als Beispiel für sexistische Werbung für Boote aufnehme, reichte ihnen. Äh, was für Boote? fragten sie... Ja, genau, was für Boote!]

Von "Der Spieler"

Freitag, 14. September 2012

Das Auto zum Wochenende, Folge 1: Bugatti Veyron EB 16.4

In dieser neuen Serie wird jede Woche ein spannendes, sympathisches, aufregendes, zukunftsweisendes, denkwürdiges oder bedeutendes Automobil vorgestellt, kritisiert oder gelobhudelt.

Natürlich sollte der erste "Kandidat" gleich mehrere dieser Kriterien erfüllen. In der Premierenausgabe möchte ich zeigen, weshalb der Bugatti Veyron in der Vergangenheit zurecht so sehr für Gesprächstoff gesorgt hat.


Ein komplett verspiegelter Veyron in der
Wolfsburger Autostadt (Foto: N.S.)

Ein Blick auf die Eckdaten beeindruckt: 1001 PS aus 16 Zylindern, 0-100 km/h in 2,5 Sekunden, 0-300 km/h in unter 17 Sekunden, Spitzengeschwindigkeit: über 400 km/h. Autofans können allein bei der Vorstellung nicht ruhig sitzen bleiben, werden nervös und wollen das mal ausprobieren, nur ein Mal hinter'm Lenkrad Platz nehmen und Gas geben. Laut Journalisten und Testern ist das durchaus möglich, soll das Auto nicht zickig sein, sondern kinderleicht zu fahren und zu bedienen. Doch mal ehrlich, welcher Millionär verleiht schon sein sündhaft teures Spielzeug? Und noch wichtiger: Wo kann man dieses Auto überhaupt ausfahren außer auf Oval-Rennstrecken mit Steilkurven?

Selbst fahren geht also nicht, und die meisten der etwa 300 im elsässischen Molsheim produzierten Fahrzeuge stehen mittlerweile in hermetisch verschlossenen Tiefgaragen ihrer wohlhabenden, aber betagten Besitzer. Wozu also das alles? Trotz eines Kaufpreises von etwa 1,3 Millionen Euro hat Volkswagen (der Konzern besitzt Bugatti) Insidern zufolge mehrere 100.000 Euro Verlust pro ausgeliefertem Veyron gemacht. Das klingt nach purem Wahnsinn, besonders in einer Zeit, in der den Autokonzernen das Wasser bis zum Halse steht und sogar große Automarken wie Opel am Rande der Insolvenz wandeln. Was also hat sich VW dabei gedacht?

Es hatte schon viele Vorabbilder und Ankündigungen gegeben, noch weit bevor der Veyron in Serie ging, über Jahre zog sich die Entwicklung hin und manch einer rechnete nicht mehr damit, dass es jemals einen 1000-PS-Bugatti auf der Straße geben würde. VW hatte wohl unterschätzt, wie teuer und aufwändig die Entwicklung eines solchen Projektes ist. Einen Motor mit über 1000 PS zu bauen war dabei nur die kleinste Herausforderung. Dieses Monster musste aber in ein Auto gepfercht werden können, das allein schon aus Gründen der Aerodynamik extrem flach sein musste. Und bei den unvorstellbaren Geschwindigkeiten wirken natürlich auch außergewöhnliche Kräfte, was wiederum die Fahrsicherheit beeinflussen würde. Also mussten die Bremsen verstärkt werden, ebenso das Getriebe, auf das bis zu 1250 Newtonmeter Drehmoment wirken, mal ganz abgesehen von den Reifen, die es so noch nie zuvor für straßenzugelassene Autos gegeben hatte.

Das ist sehr viel Aufwand für ein unvernünftiges, verlustbringendes Automobil. Doch der damalige VW-Chef Ferdinand Piech befand sich auf einem Egotrip, wollte den Volkswagen-Konzern in neue Sphären hieven. Außer Seat und der Billigmarke Skoda sollte jedes einzelne Produkt Premiumstandards gerecht werden. Lamborghini wurde ebenso gekauft wie Bentley. Den VW Passat gab es plötzlich mit einem Achtzylindermotor und selbst in der Luxusklasse war VW bald mit dem Phaeton vertreten. Da passte das Prestigeprojekt Bugatti Veyron perfekt ins Bild. Es hatte bereits in den 1990er Jahren einen Wiederbelebungsversuch der elsässischen Marke durch einen italienischen Geschäftsmann gegeben, doch der EB 110 GT kam in einer wirtschaftlich schwierigen Phase auf den Markt und scheiterte. VW sicherte sich daraufhin die Namensrechte dieser Marke, die vor den Weltkriegen mit ihren schier unfassbaren Luxuslimousinen und den auch im Motorsport äußerst erfolgreichen Sportwagen Aufsehen erregte. Übrigens ist der Name Veyron EB 16.4 eine Reminiszenz an gleich zwei bedeutende Persönlichkeiten der Markengeschichte: Pierre Veyron, Entwickler und Rennfahrer für Bugatti vor dem zweiten Weltkrieg und Ettore Bugatti (EB), den italienischen Firmengründer.

Was stellt nun also der Bugatti Veyron dar und was soll man von ihm halten? Zunächst einmal ist er natürlich Überfluss in Reinstform, mit einem Verbrauch selbst mit sparsamer Fahrweise von mindestens 25 Litern auch alles andere als zeitgemäß. Das Produkt des übersteigerten persönlichen Ehrgeizes eines (wenn auch technisch begnadeten) Firmenchefs, der mit sehr viel Kapital hantieren und sich somit auch seinen eigenen Traum erfüllen konnte. Allerdings wurde das Projekt auch nach seinem Abtritt fortgeführt. So gab es einige Sondermodelle und auch eine nochmals stärkere Version - den Super Sport mit 1200 PS - mit dem sogar eine Geschwindigkeit von über 430 km/h erreicht wurde, nachdem ein amerikanischer Sportwagenhersteller zwischenzeitlich den Rekord innegehabt hatte.
Aber der Bugatti Veyron ist mehr als nur Show, Glamour und Rekordhascherei. Seine Fertigstellung nach jahrelanger Planung und Entwicklung war einer der wenigen Concorde-Momente der jüngeren Geschichte. Er zeigt das technisch Machbare, er ist so unvernünftig, dass es zweifellos möglich ist, dass er der letzte Supersportwagen seiner Art sein wird. Aufgrund der Regularien, die Höchstgrenzen bei Verbrauch und Emissionen festsetzen, macht ein solches Automobil in der Zukunft keinen Sinn mehr. Der Bugatti Veyron ist ein Auto für die Ewigkeit.

Nico Siemering, Bielefeld- Korrespondent

Donnerstag, 13. September 2012

Als ein Fremder ungefragt mein Auto lieh



In dieser Lücke stand mal mein Auto. (Foto: A.S.)
Als ich gestern Abend fröhlich pfeifend das Haus verließ, um zum Einkaufen zu fahren, klaffte dort, wo ich tags zuvor noch mein Auto (das genau genommen gar nicht meins ist) sah, eine breite Lücke. Das Auto war weg. Mein erster Gedanke: „Klar, geklaut. Wir sind hier schließlich in Neukölln. War wohl nur eine Frage der Zeit.“ Dann folgten aber sofort die nächsten Gedanken: Warum mein Auto? Es ist doch schon älter und zudem – wie einige meinen – auch noch häßlich. Auf dem großen Markt für geklaute Autos wird dafür bestimmt kein nennenswerter Preis gezahlt. Oder hatte es sich etwa ein Verbrecher/ Polizist für eine kurze Verfolgungsjagd ausgeliehen (man kenn das ja…)? Aber es war doch abgeschlossen. Warum also dieses Auto?

Nachdem ich aufgeregt die Straße auf und ab gelaufen war, um zu sehen, ob ich es vor zwei Wochen (der umweltbewußte Großstädter braucht ja eigentlich kein Auto) doch woanders abgestellt hatte, bog ich schließlich mehr aus Verzweiflung noch um die nächste Straßenecke. Und da sah ich es: mein kleines, rundes, schwarzes Auto. Äußerlich unversehrt stand es da; ohne Zettel, an der Scheibe, auf dem sich ein netter Verbrecher/Polizist für die kurze Leihgabe bedankte, dafür aber rückwärts eingeparkt. Ein klares Indiz, dass unmöglich ich das Auto dort abgestellt haben konnte.
Neue Gedanken türmten sich auf, und ich wünschte mir die Diebstahl-Variante zurück…
Hier auch. (Foto: A.S.)
Irritiert, aufgeregt und mit einem leichten Verfolgungswahn behaftet rannte ich zurück ins Haus, in Sicherheit. In einem kurzen Telefonat zur Beruhigung der Nerven, riet mir mein im Umgang mit der Polizei erfahrener Gesprächspartner (sein Name tut hier nichts zur Sache), eben bei diesem Freund und Helfer anzurufen, um Auskunft zu erhalten. Vielleicht ist heimliches Autoumparken ein derzeitiger Trend in Neukölln und es gibt bereits erste Verdächtige. Gesagt, getan.

Der nette Polizist von der Polizeidirektion 5, Abschnitt 55, ermunterte mich freundlich, mein Anliegen zu berichten, hörte sich alles aufmerksam an, um mich abschließend völlig unverhofft nach dem Autokennzeichen zu fragen. Ich scheiterte, konnte nur die Buchstaben. „Nee, junges Fräulein, da brauchen wir schon das ganze Kennzeichen.“ Mein Angebot, kurz rauszulaufen, um zu gucken und anschließend wieder zurückzurufen, tat er lachend ab und wollte dann lieber erstmal sehen, wie weit ich kam. Ungläubig hörte er sich drei Mal meine Buchstabenkombination an („Nicht Berlin?“ – „Nein, nicht Berlin, sondern HX.“ – „Heinrich Xanthippe??“ – „Ja, ja, H –X.“), legte mich schließlich beiseite, beriet sich mit seinem Kollegen und kam zurück. „Ja, junge Frau, das war die Polizei.“ Wow, also doch ein Kommissar in Not?!
Nein, nur eine Baustelle vor der Haustür. Die Autos der Handwerker brauchten Platz und in solchen Fällen, darf die Polizei im Wege stehende Autos in Sichtweite (Ansichtssache…) umparken.

Anne, Berlin-Korrespondentin

Mittwoch, 12. September 2012

Weißes Kaninchen gesehen

Von näher.
Rätselhaft, warum Alice und ihr White Rabbit hier plötzlich erschienen sind, und warum gerade die Villa Schlikker in Osnabrück als Wonderland herhalten musste. 1900 gebaut, ist die Villa jünger als Alice’s Adventures in Wonderland (1865).

Bauherr Schlikker hatte 1865 durch die erste Dampfmaschine mit mechanischen Webstühlen seine Firma zur größten Textilfirma im Bereich Osnabrück gemacht.

Von weiter.

Seine Villa beherbergt heute eine Ausstellung des Kulturgeschichtlichen Museums in Osnabrück.

Alledies hilft indes nicht weiter, um die Fotosession zu erklären.


Von "Der Spieler"

Siehe von diesem Autoren auch:
Radeln im Zeichen der Merkursonne

Dienstag, 11. September 2012

Biotope, Folge 8: In einem kleinen ostwestfälischen Dorf...



Die Barler Heide (Foto: KS)

Wir befinden uns im Jahre 2012 n. Chr. Ganz Minden-Lübbecke ist von Land- und Forstwirtschaft besetzt… Ganz Minden-Lübbecke? Nein! Ein von unbeugsamen Heideliebhabern bevölkertes Dorf hört nicht auf, den Eindringlingen Widerstand zu leisten. Und das Leben ist nicht leicht für die wildwachsenden Bäume der Arten Prunus padus (Traubenkirsche), Betula (Birke) und Pinus (Kiefer)...
 

Hier nicht erwünscht: Traubenkirsche (Foto: KS)





Jeden ersten Samstag im Monat geht es deren Sprösslingen an den Kragen. Mit Traktoren, Elektrosensen und eigener Kraft der Heideanwohner werden außerdem auch Brombeeren entfernt und Gräser gestutzt, damit das Heidekraut wachsen und gedeihen kann. Ein geheimer Zaubertrank soll dabei hilfreich sein…
Dies alles geschieht in dem kleinen ostwestfälischen Dorf(-teil) Barl, in dem die Anwohner sich der Heimatpflege widmen.


Das Heidekraut (Erica) (Foto:KS)
Pflanzen 
Das Heidekraut selbst blüht von Juni bis September und ist in dieser Zeit ein echter Blickfang. 
Umgeben von Fichten, Kiefern und Eichen wird die Heidefläche seit ein paar Jahren dank der Mühe der Anwohner jedes Jahr größer. Bedroht ist die Heide jedoch vor allem von der Traubenkirsche, der Birke und der Brombeere,  die dem Heidekraut sowohl Licht als auch die notwendigen Nährstoffe nehmen. Diese Pflanzen sind sehr robust und kehren immer wieder. Daher ist eine regelmäßige Pflege notwendig. 
Außerdem finden sich auf der Heide diverse Gräserarten und seit kurzem auch das Wollgras, welches sonst eher in Mooren zu finden ist.
                    


Eine Hummel bei der Arbeit (Foto: KS)
Tiere
Wenn man über die Heide geht, sieht und hört man um sich herum vor allem Heuschrecken und Grillen. Aber auch Spinnen, rote Ameisen und Hummeln begegnen einem. Guckt man etwas genauer hin, erblickt man zusätzlich Mäuselöcher und Kaninchenbauten. Zudem sieht man in der letzten Zeit ab und zu zwei Rehe auf der Heide. Mit Vogel- und speziellen Kauzkästen wird versucht auch Vögel anzusiedeln.

 

Hier lässt es sich aushalten (Foto: KS)
Erholungsmöglichkeiten
Neben den unzähligen Möglichkeiten es sich auf den Grasflächen mit einer Decke (oder auch ohne) gemütlich zu machen, stehen Besuchern nach einer Fahrradtour oder einem Spaziergang zwei Bänke zur Erholung zur Verfügung. Dort kann man sich ausruhen und sonnen, dem Zirpen der Grillen und dem Zwitschern der Vögel lauschen und mit Glück und Geduld Rehe oder Kaninchen beobachten.