Freitag, 30. November 2012

Das Auto zum Wochenende, Folge 12: Pontiac Firebird

Dritte Firebird-Generation mit Klappscheinwerfern
(Foto: NS)
Es gibt Entwicklungen, die können nur aus den Vereinigten Staaten kommen. Pony-Cars gehören zweifelsohne dazu. Pony-Cars (benannt nach dem "Pony" schlechthin - dem Ford Mustang) sind Autos mit simpelster Technik, viel Power und noch mehr Sound. Und das wiederum ist der Prototyp des automobilen Amerika. Dort können Menschen mit Begriffen wie "Kurve" oder "Kehre" nichts anfangen. Autofahren bedeutet zunächst einmal geradeaus auf Highways, Autorennen werden selten auf Rennstrecken wie in Europa ausgetragen, sondern meist entweder im monotonen Oval oder auf der sogenannten Quarter Mile (Viertelmeile). Da hierfür prinzipiell nur eine hohe Motorleistung nötig ist, waren Pony-Cars - oder Muscle Cars, wie sie später aufgrund des Wettstreits um immer mehr PS genannt wurden - sehr günstig. Billiges Plastik im Innenraum und der Verzicht auf eine Einzelradaufhängung machten es möglich.

Das Auto zum Wochenende ist einer der bekanntesten Vertreter seiner Gattung, trotzdem gerät er zuweilen in Vergessenheit. Das liegt daran, dass viele andere Modelle der Konkurrenz vor einigen Jahren neu aufgelegt wurden. Den Anfang machte - wie schon in den 1960er Jahren - der Ford Mustang. Dodge Challenger und Chevrolet Camaro folgten. Der Firebird hingegen hatte keine Chance auf Wiederbelebung, denn sein Hersteller Pontiac fiel 2010 endgültig der amerikanischen Autowirtschaftskrise bzw. dem respektlosen Umgang seiner Konzernmutter General Motors mit altehrwürdigen, verdienten Namen zum Opfer.

Der Firebird mit großer Heckscheibe und
verglastem Targa-Dach
Die auf den Bildern gezeigte dritte Modellgeneration ist ein Kind der 1980er Jahre. In dieser Zeit gab es erstmals das Topmodell Trans Am, das als K.I.T.T. David Hasselhoff in Knight Rider so manches Mal das Leben rettete und sich zwischenzeitlich sogar als guter und zuverlässiger Freund entpuppte. Wer so etwas auch sucht, kann sogar in Deutschland fündig werden. Es gibt auf mobile.de sogar Angebote unter 5.000 Euro. Dafür bekommt man seinen Trans Am eventuell in schwarz, ganz sicher aber ohne rotes Leuchtenband und eingebauten Freund für's Leben.

Nico Siemering, Bielefeld-Korrespondent

Siehe auch:
Das Auto zum Wochenende, Folge 11: Audi 60
Das Auto zum Wochenende, Folge 9: Lada Niva
Das Auto zum Wochenende, Folge 8: Mini
Das Auto zum Wochenende, Folge 7: Alfa Romeo Montreal
Das Auto zum Wochenende, Folge 6: VW Phaeton
Das Auto zum Wochenende, Folge 5: Citroen DS
Das Auto zum Wochenende, Folge 4: Mazda MX-5
Das Auto zum Wochenende, Folge 3: BMW X6
Das Auto zum Wochenende, Folge 2: Fiat 500
Das Auto zum Wochenende, Folge 1: Bugatti Veyron EB 16.4

Dienstag, 27. November 2012

Der Mittelweg - eine echte Alternative

Manchmal die beste Alternative:
Der Mittelweg (Foto: CS).
Es gibt Augenblicke, in denen muss man sich entscheiden: In welche Richtung will ich gehen? Wende ich mich in die eine Richtung, entscheide ich mich zugleich gegen die andere. In solchen Momenten - die wochen- und monatelang währen können - empfiehlt es sich bisweilen, statt der einen oder der anderen Richtung den beliebten Mittelweg einzuschlagen. Aber wie sieht es dort eigentlich aus?

Ost-Ende: Die Karl-Marx-Straße ist nicht mehr weit.

Der Mittelweg ist ein Straßenzug im Berliner Stadtteil Neukölln. Er liegt ziemlich in der Mitte, und ist auch nur so mittelbekannt. Er führt im Westen fast - aber nicht ganz -  zur vielbefahrenen Hermannstraße, und im Osten fast - aber nicht ganz - zur vielbefahrenen Karl-Marx-Straße. Zur Hermannstraße hin wird er eng und trägt Kopfsteinpflaster, zur Karl-Marx-Straße hin wird er breit und asphaltiert. Ende des 19. Jahrhunderts erhielt er seinen Namen - wegen seiner Lage.

Sie finden jede Nische: kreative Menschen.
Der Mittelweg ist eine erfreuliche Alternative zu allen Extremen: Autos fahren hier nur gelegentlich, aber ganz ausgestorben ist die Gegend auch nicht. Neukölln-typisch macht die Straße einen leicht heruntergekommenen Eindruck, und trotzdem haben sich selbst hier schon erste Hipster niedergelassen. Die Straße hat einen schwer fassbaren Charakter, sie lässt sich nicht leicht kategorisieren, kurzum: ein echter Mittelweg.

Der Wasserturm am Mittelweg.
Als Ausflugsziel ist der Weg zwischen den Extremen in jedem Fall zu empfehlen. Wer ihn von der Karl-Marx-Straße Richtung Hermannstraße durchläuft, kommt an einem Gebrauchtwagenhändler vorbei, durchquert einen Park, sieht eine Schule, blickt nach links auf einen Friedhof, nach rechts auf Wohnblocks, und stößt am Ende auf den schönen Wasserturm aus dem Jahr 1894. Was will man mehr?

Christian Schepsmeier




Sonntag, 25. November 2012

Freitag, 23. November 2012

Das Auto zum Wochenende, Folge 11: Audi 60

Audi im Jahr 2012 - das steht für Luxus, Qualität und Premiumanspruch. Das Image ist so gut wie bei kaum einem anderen Hersteller weltweit und die Kunden rennen den Händlern die Türen ein. Es gibt ein Rekordergebnis nach dem anderen.Was den heutigen Audi-Fahrern als selbstverständlich erscheinen mag, ist streng genommen eine recht junge Entwicklung.

Meilenstein der Audi-Geschichte: Der F103 (Foto: NS)
Die Erfolgsgeschichte begann, wie so oft im Volkswagen-Konzern, bei und mit Ferdinand Piech. Unter seiner Führung entwickelte Audi in den 1980er Jahren den mittlerweile legendären Quattro-Allradantrieb, der zunächst im Rallyesport durch die Erfolge von Walter Röhrl für Aufsehen sorgte und kurze Zeit später auch in den Straßenfahrzeugen verbaut wurde. Zunächst im Urquattro, später auch in den stärkeren Varianten der Modelle 80 und 100. Auch, wenn es vorher schon wenige Allradautos auf dem Markt gegeben hatte und andere Hersteller heute ähnlich gute Systeme verbauen, war es nun einmal Audi, das den ersten großen Schritt getan hat. Mit enormem Werbeaufwand (Video: die erste große Quattro-Werbung) vermarktete die Ingolstädter Marke diese technische Neuheit und verschaffte sich damit einen Imagegewinn, von dem sie noch heute zehren kann. Mit Piech als Vorstandsvorsitzendem kam darüber hinaus auch recht bald danach der Audi 100 mit dem ersten deutschen Dieseldirekteinspritzmotor TDI heraus, der deutlich zur weiteren Verbreitung von Dieseln in PKW beitrug.

Aber nun zurück in die Zeit, in der es um Audi noch nicht so gut bestellt war. 1910 in Zwickau gegründet, kam es zwischen den Weltkriegen zum Zusammenschluss mit DKW, Wanderer und der Luxusmarke Horch zur Auto Union. Die vier Ringe (stellvertretend für die vier Konzernmarken) im Kühlergrill aller Audi zeugen übrigens noch heute von dieser Zeit. Recht bald danach verschwand der Name Audi von der Autobühne und wurde erst 1968 von Volkswagen reaktiviert. Und zwar vom heutigen Auto der Woche.

Standesgemäß mit Wackeldackel auf der Hutablage (Foto: NS)
Zunächst hieß die intern F103 genannte Baureihe ganz schlicht nur Audi. Als dann aber die Modellvielfalt größer wurde, beschloss man, die Fahrzeuge nach ihrer Motorleistung 60, 72, 75 und Super 90 zu nennen. Beim Fahrzeug auf den Bildern handelt es sich um die mittlere Variante 75L, wobei das L für "Luxus" stand.
Im Gegensatz zum Vorgänger DKW F102 wurden moderne Viertaktmotoren verbaut. Diese stammten ganz nebenbei von Mercedes, da VW die Auto Union vom zwischenzeitlichen Eigner Daimler-Benz übernommen hatte. Bis 1972 wurde das Modell gebaut, dann wurde es vom ersten "echten" Audi 80 abgelöst.

So begann also Audis Siegeszug. Die Entwicklung, die diese Automarke innerhalb weniger Jahrzehnte genommen hat, beeindruckt. Insbesondere wenn man bedenkt, dass sie zwischenzeitlich völlig in der Versenkung verschwunden war. Mit dem Audi 60 als Geburtsstunde ist die Marke ganz oben angekommen: bei BMW und Mercedes-Benz. Jedoch, wenn man mich fragt, macht Audi den kapitalen Fehler, den BMW schon in den 1990er Jahren beging: Die Autos verlieren durch die sich immer mehr ähnelnden Baureihen an Charakter. Zwar erkennt man einen Audi auf den ersten Blick, aber die einzelnen Modelle sind von vielen Menschen schon lange nicht mehr zu unterscheiden. Das ist irgendwie langweilig. Aber Konformität scheint schon lange das zu sein, was Autokäufer anmacht. Oder wann hast du zuletzt einen neuen Audi gesehen, der nicht schwarz, silber oder weiß war?

Nico Siemering, Bielefeld-Korrespondent

Siehe auch:
Das Auto zum Wochenende, Folge 9: Lada Niva
Das Auto zum Wochenende, Folge 8: Mini
Das Auto zum Wochenende, Folge 7: Alfa Romeo Montreal
Das Auto zum Wochenende, Folge 6: VW Phaeton
Das Auto zum Wochenende, Folge 5: Citroen DS
Das Auto zum Wochenende, Folge 4: Mazda MX-5
Das Auto zum Wochenende, Folge 3: BMW X6
Das Auto zum Wochenende, Folge 2: Fiat 500
Das Auto zum Wochenende, Folge 1: Bugatti Veyron EB 16.4

Donnerstag, 22. November 2012

Licht in der Dunkelheit




Auf dem ehemaligen Flughafengelände in Berlin-Tempelhof sind derzeit zwei Lichtinstallationen des britischen Künstlers Robert Montgomery zu sehen. Echoes of Voices heißt die Ausstellung, die am 7. Juli vom Künstler eröffnet wurde und neben den beiden Installationen noch 20 weitere Plakate im gesamten Stadtgebiet umfasst. 

Zwei große Lichttafeln leuchten dem Vorbeieilenden in der Dunkelheit wie aus dem Nichts entgegen, rütteln ihn wach in diesen tristen Berliner Herbsttagen und lassen ihn stehen bleiben und kurz innehalten – trotz des Wetters und der Dunkelheit, die einen eigentlich nur zurück nach Hause ziehen. Mitten im Dunkeln, am vielbefahrenen und dennoch irgendwie abgelegenen Columbiadamm strahlen die beiden Tafeln wie Leuchtreklame. Der Vorbeieilende fühlt sich seltsam, aber nicht unangenehm berührt, und fragt sich: Reklame - wofür eigentlich?

Entgegen anderslautender Ankündigungen ist die temporäre Ausstellung noch immer zu sehen. Wer weiß wie lange noch. Alles ist vergänglich, lipstick traces...


Anne, Berlin-Korrespondentin 

Montag, 19. November 2012

Piraten rauben Slogans

Sollen schon ab heute Abend hängen (Foto: CS).
Zwei Monate vor der Landtagswahl in Niedersachsen will die Piratenpartei vielerorts aus den schlechten Schlagzeilen herauskommen. Zu oft hat es in den letzten Monaten geheißen: "Piraten erleiden Schiffbruch", oder sogar: "Piraten versenken sich selbst". Heute haben die niedersächsischen Piraten im Kulturzentrum Faust in Hannover ihr Programm für die Landtagswahl vorgestellt. Damit will sie wieder positive Akzente setzen. Am 20. Januar sollen schließlich mehr als nur die drei Prozent der Wähler die Piraten wählen, die sie in der letzten Umfrage genannt haben.

Piraten unter sich.
Aufmerksamkeit sollen die Wahlplakate erregen. Sie spielen - nicht sehr subtil - mit bekannten Werbekampagnen. In Anlehnung an einen bekannten Schokolade-Produzenten heißt es etwa: "Piraten. Die zarteste Versuchung seit es Parteien gibt". Der Möbelkonzern Ikea, der ebenfalls auf einem Plakat parodiert wird, hat bereits angekündigt, sich zu beschweren. Schon ab heute Abend wollen die Piraten plakatieren - früher als die anderen Parteien in Niedersachsen.

Interessant war heute auch die Begegnung der beiden Bundes-Piraten Bernd Schlömer und Johannes Ponader zu beobachten. Nach einem unterschwellig ausgetragenen Konflikt saßen beide als Gäste ihrer niedersächsischen Kollegen nebeneinander, sprachen aber kaum mit einander. Bezeichnend war, wie Schlömer den anderen nannte: "Mein Kollege Johannes". Nicht etwa: "mein Freund".

Christian Schepsmeier

Sonntag, 18. November 2012